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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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„Und mehr, als Ein zerrissen Lied / entströmte seiner Brust!“ Aspekte der Chamisso-Rezeption in Moderne und Gegenwart (Hans Braam und Lutz Hagestedt)

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Hans Braam und Lutz Hagestedt

„Und mehr, als Ein zerrissen Lied / entströmte seiner Brust!“ Aspekte der Chamisso-Rezeption in Moderne und Gegenwart

Unter unseren Schulbüchern war eines, das sich, obgleich von außen so nüchtern und drohend sachlich wie nur irgendein Leitfaden und Grundriß, durch eine schöne Menschenfreundlichkeit und Zugänglichkeit des Inhalts vor allen anderen hervortat. […] Das Buch, das eine zartere und gütigere Hand, als die sonst waltende, den vorgeschriebenen Lehrmitteln hinzugefügt haben mußte, hieß einfach das Deutsche Lesebuch.1

Mit diesen Worten stimmt uns Thomas Mann auf Adelbert von Chamisso ein. Als Schüler bereits sei er von Chamissos Gedichten verzaubert worden:

Da stand die schnurrige Ballade von einem, dem’s zu Herzen ging, daß ihm der Zopf so hinten hing – er wollt’ es anders haben. Die schelmisch-gravitätische Anekdote vom „Szekler Landtag“ stand da – und es ist uns, als habe ihr leichter und unantastbarer Bau aus Terzinen mit dem alles so glücklich vollendenden Einzelverse am Schluß uns einen ersten Begriff von Meisterschaft und Vollkommenheit vermittelt. Das schöne Loblied auf eine alte Waschfrau fand sich nicht weit davon – und was für ein Zauber war es nur, der uns jedesmal wieder ans Herz griff beim Einsatz der Schlußstrophe: „Und ich, an meinem Abend, wollte …“? Zitternde Sonnenkringel, so schien es uns, spielten auf einer gewissen Seite, bemüht, eine verjährte Untat an den Tag zu bringen.

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