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Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

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Von der Heilkraft der Poesie und der Heillosigkeit der Welt. Dichtung und Therapie bei E.T.A. Hoffmann und Thomas Bernhard (Wulf Segebrecht)

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Wulf Segebrecht

Von der Heilkraft der Poesie und der Heillosigkeit der Welt. Dichtung und Therapie bei E.T.A. Hoffmann und Thomas Bernhard1

E.T.A. Hoffmann und Thomas Bernhard – das will auf den ersten Blick als eine recht inkommensurable Kombination erscheinen. Was sie jedoch miteinander verbindet, ist die vorherrschende Thematik und aufschlussreiche Bedeutung der Krankheit in ihren Werken. Dabei hatten beide von Berufs wegen mit der Medizin nichts zu tun. Der eine war Jurist und als solcher in den Jahren 1814–1822, in denen seine literarischen Werke erschienen, als Richter am Kammergericht zu Berlin tätig; der andere wagte bereits mit 26 Jahren, nach mehreren Versuchen, sich als Sänger, Schauspieler und Musiker ausbilden zu lassen, sowie nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Journalist 1957 den Weg in die riskante Existenz eines freien Schriftstellers.

Gemeinsam ist ihnen also nicht etwa der Arztberuf, sondern vielmehr das Ausmaß und die Intensität, mit der beide Schriftsteller sich medizinischen Sujets zugewandt haben, die sie eingehend studierten, so dass die Medizin in ihren Werken eine weitaus größere Rolle spielt als bei vielen ‚Dichter-Ärzten‘. Psychische und physische Krankheiten und Heilmethoden, Ärzte und Patienten nehmen im Werk beider Autoren einen zentralen Platz ein, und in beiden Fällen sind es vorzugsweise Künstler, Dichter, Intellektuelle, deren Krankheitsgeschichten in oft stark autobiographisch eingefärbter Manier vorgetragen werden. Das Leben beider Autoren war von Krankheiten geprägt; Hoffmann besaß eine zarte, reizbare körperliche Konstitution. Seit der Bamberger Zeit klagte er wiederholt,...

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