Show Less
Restricted access

Philologia sanat

Studien für Hans-Albrecht Koch zum 70. Geburtstag

Edited By Gabriella Rovagnati and Peter Sprengel

Medizin und Literatur stehen in einem so wechselvollen wie spannenden Dialog, der in zahlreichen Studien des dem Philologen und Bibliothekar Hans-Albrecht Koch gewidmeten Bandes beleuchtet wird – von der altgriechischen Komödie über das Volksbuch von Till Eulenspiegel zur Volksmedizin und Erfahrungsseelenkunde der Aufklärung und weiter über Klassik und Romantik bis hin zu Autoren und Diskursen des 20./21. Jahrhunderts. Andere Essays umspielen den roten Faden mit Seitenblicken auf Fellinis Antike-Rezeption, mittelalterliche Buchkunst und Sakralskulptur, Beethovens «Fidelio», Chamissos Langzeitwirkung und einen vergessenen Züricher Zeichner. Die Linie setzt sich fort mit neuem Material zum «Netzwerker» Rudolf Alexander Schröder und Einblicken in die aktuelle Architektur und Hochschulpolitik.

Show Summary Details
Restricted access

Menschen des Wortes – Worte für das Menschsein. Argumente für die Wiederbelebung einer vielstimmigen Psychiatrie (Josef Schwitzer und Ingo Stermann)

Extract

Josef Schwitzer und Ingo Stermann

Menschen des Wortes – Worte für das Menschsein. Argumente für die Wiederbelebung einer vielstimmigen Psychiatrie

Ein orientierender Überblick

Dieser Beitrag thematisiert das Sprechen, Schreiben, Kommunizieren über psychisch Kranke und Gesunde als hermeneutische Chance im Heideggerschen Sinne: Die Seins-weise des Menschen, die als „Existenzial“, wie Heidegger es nennt, das Erkennen hat, kommt nicht aus ohne die Bereitschaft zur Begegnung und Verständigung zwischen sogenannten normalen und psychisch kranken Menschen. Das menschliche Dasein – das individuelle wie das familiäre und das kollektive – verstehen zu wollen, ihm Sinn zu entbergen oder zuzusprechen, bleibt schon im Ansatz ein unvollständiger Versuch, wenn er nicht auch das „Andere“ in den Blick hineinnimmt und zu verstehen sucht: das, was als ver-rückt aufscheint, die Menschen, die in die Irre gehen, die ins Wähnen geraten, denen Entgrenzungen der Impulse und Affektentgleisungen geschehen etc.

Die Träger einer solchen facies humana anzusehen, anzuerkennen und sie zu verstehen zu suchen – für sich genommen wie in Relation zu den sogenannten Normalen –, ist nicht nur ein intrinsisches humanwissenschaftlich-anthropologisches Ansinnen; die Aufgabe erfüllt sich auch nicht vollständig innerhalb des klassisch-heilkundlichen Paradigmas und seiner Logistik von Anamnese, Diagnose und Therapie des (individuell) erkrankten und leidenden Menschen; es handelt sich überdies um den gesellschaftlichen Auftrag eines humanitär sich verstehenden Rechtsstaates an die Psychiatrie, daß sie sich als Teil des öffentlichen Gesundheitswesens engagiere für den Brückenbau zwischen den sogenannten Normalen einerseits und den Manifestationen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.