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Kafka, Murakami und das suspendierte Dritte

Eine Semiotik des Phantastischen

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Tom Reiss

Die zahlreichen literarischen Verknüpfungen zwischen den Werken Franz Kafkas und Haruki Murakamis, denen sich diese semiotische Abhandlung widmet, haben bisher in der internationalen Forschung kaum Beachtung gefunden. Dabei zeigt sich im Zwischenspiel der phantastischen Erzählungen Kafkas und Murakamis nicht nur deren unauflösliche Verbindung für die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern auch eine Reihe neuer Erkenntnisse über das Phantastische in der Literatur an sich.

Das Buch versteht sich als Diskussionsbeitrag zur Phantastikforschung, als Konsolidierung der Sonderstellung Kafkas im Diskurs des Phantastischen und schließlich als ersten Beitrag zu einer literaturwissenschaftlichen Beschäftigung mit den Texten Haruki Murakamis im deutschsprachigen Diskurs.

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(Nach der) Coda

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1.    Was geschehen ist…

Phantastisches Erzählen und die Theorie des Phantastischen sind, wie sich herausgestellt hat (unter viel Anderem) Versuche, Erfahrungen von Unsagbarkeit auf verschiedenen epistemologischen Ebenen zu artikulieren. Die Geschichte der Begriffsverwendung des ‚Phantastischen‘, die an früher Stelle dieser Abhandlung einen Überblick über die Theorien zum Phantastischen in der Literatur eingeleitet hat, bezeugt diese Versuche von Anfang an und deutet darauf hin, dass der Diskurs des Phantastischen ein Diskurs des radikal Anderen ist – erinnert sei hier lediglich an die Worte Jean-Jacques Ampères, für den die Erzählungen Hoffmanns etwas präsentieren, das in den Worten „scènes les plus étranges […]“1 lediglich eine Annäherung findet. Diese Versuche des Artikulierens eines radikal Anderen sind auf einer zentralen Ebene immer zum Scheitern verurteilt, eben weil im Moment des Artikulierens sich die phantastische Literatur selbst wieder in den Widerstand und die Funktion eines neuen Anderen setzt. Der Umgang mit dieser literaturwissenschaftlichen Herausforderung prägt den Forschungsdiskurs des 20. Jahrhunderts und findet seinen zwischenzeitlichen Zenit in der strukturalistischen Phantastikforschung, die mit dem Anspruch wissenschaftlicher Pragmatik und Effizienz das Phantastische als liminales Phänomen beschreiben, an das sich die entsprechenden Theorien (wie die Tzvetan Todorovs und Uwe Dursts) ex negativo, als Beschreibungen von Grenzgattungen und Systemkämpfen, nähern. Dem Erfolg dieser Theorien zum Trotz entwickelt sich aber auch aus diesem Diskurs heraus widerständig das Andere des Phantastischen. Dieser Umstand findet zu Beginn des 21. Jahrhunderts seine Stimme in der Forderung der Forschung nach...

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