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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

Series:

Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Überlegungen zur Poetizität in Kurzprosatexten Franz Kafkas

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1.       Einleitung

Dieser Beitrag geht von der jakobsonschen Vorstellung aus, dass die poetische Funktion – oder Poetizität – eine der sechs Grundfunktionen von Sprache ist.1 Unter der poetischen Funktion versteht Jakobson „[d]ie Einstellung auf die Botschaft als solche, die Ausrichtung auf die BOTSCHAFT um ihrer selbst willen“ (Jakobson 1979: 92). Dabei stellt die poetische jedoch „nicht die einzige Funktion der Wortkunst dar, sondern nur eine vorherrschende und strukturbestimmende“ (Jakobson 1979: 92). Verbale Kommunikation ist also grundsätzlich multifunktional, wobei jedoch eine Funktion jeweils dominiert. Das „empirische linguistische Kriterium der poetischen Funktion“ (Jakobson 1979: 94) sieht Jakobson, ausgehend von den beiden Grundverfahren sprachlicher Aktivität, Selektion (paradigmatische Ebene) und Kombination (syntagmatische Relation), im Prinzip der Äquivalenz, das auf allen sprachlichen Ebenen – phonologisch, morphologisch, syntaktisch und lexikalisch – auftreten kann und „zum konstitutiven Verfahren der Sequenz erhoben“ wird (Jakobson 1979: 94).

Die Dominanz der poetischen Funktion gegenüber der referentiellen führt zu Mehrdeutigkeiten, die „eine Grundeigenschaft der Dichtung“ (Jakobson 1979: 111) sind. Dabei lassen sich lexikalische und grammatisch-syntaktische Mehrdeutigkeiten unterscheiden. Sie werden in poetischen Texten „oft so verwendet, daß sie die Aufmerksamkeit [des Lesers] auf sich ziehen und die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten nebeneinander bestehen bleiben“ (Hoffstaedter 1986: 37).

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