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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Überraschende Wendungen. Oder: Verse sind die Kommata der Dichter

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1       Poetizität und Form

Was macht Texte in den Augen der Leser poetisch? Sicher besteht ein Anfangsverdacht auf Poetisches, wenn sich etwas wie Verse und gar noch wie Strophen erkennen lässt. Ob dieser Bezug auf typisch poetische Muster die Erwartung erfüllt, die wir aufgrund unserer Lesetraditionen damit verbinden, sie bricht oder mit ihr spielt, tut dabei nichts zur Sache. Und natürlich wissen das auch die Autoren – und nutzen es. Am klarsten ist das zu sehen, wenn die „Versifizierung“ eine deutlich markierte Option darstellt.

2       Umbrüche

2.1       Auf Flügeln der Verse

Manchmal ist die Wahl der Versform deutlich als Erwartungsbruch angelegt. Ein explizit gehaltenes Beispiel dafür findet sich in Christoph Ransmayrs Roman „Der fliegende Berg“. Die Angabe „Roman“ lässt eindeutig einen Prosatext erwarten. Wenn man das Buch aber aufschlägt, ist man als erstes mit einem in Verse umgebrochenen Druckbild konfrontiert. Der Text beginnt folgendermaßen:

(1)     1 Auferstehung in Kham. Östliches Tibet. 21. Jahrhundert.

Ich starb6840 Meter über dem Meeresspiegelam vierten Mai im Jahr des Pferdes.

Der Ort meines Todeslag am Fuß einer eisgepanzerten Felsnadel,in deren Windschatten ich die Nacht überlebt hatte.

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