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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

Series:

Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Revolution durch Sprache. Überlegungen zur Ästhetik expressionistischer Theatertexte

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1.       Einleitung

In keiner anderen Epoche war „Sprache” Gegenstand so intensiver philosophisch-kritischer und ästhetischer Reflexionen und wurde gleichzeitig so radikalen Experimenten unterzogen wie in der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die angezweifelten kognitiven und repräsentativen Leistungen der Sprache werden neu überdacht und erprobt. Diese „Umwälzung” der sprachlichen Ausdrucksformen ist unmittelbar mit der sozio-politischen Revolution verbunden, wie sie allen jungen Dichtern und Künstlern der Zeit konkret oder mythisch-mystifizierend vor Augen schwebte. Im Unterschied zu anderen Intellektuellen, die sich in diesen Jahrzehnten intensiv mit dem Thema „Sprache” auseinandersetzen, versuchen die Expressionisten, Revolutionäres direkt am Wort und mit den künstlerischen Ausdrucksmitteln selbst zu verwirklichen, um dadurch die Grenzen des Sagbaren und Darstellbaren zu erreichen und sogar zu überwinden. Dabei wird ein regelrechter verbaler Kampf geführt, einerseits gegen die „bürgerliche” Syntax, die als einengend und abstumpfend empfunden wird und daher durchbrochen werden soll, andererseits für eine „freie” Ausdruckfähigkeit des Wortes „an sich”, das durch Rhythmus, Euphonie, Assoziation und Suggestion über sich hinaus hinweist.

Was bedeutet aber „Revolution durch Sprache“ konkret, d. h. im sprachlichen Zeichen? Auf diese Frage wird man selbstverständlich keine unmittelbare Antwort geben können. Was ich hier skizzieren möchte, ist ein Forschungsgebiet, das die Kompetenzen von unterschiedlichen aber benachbarten kulturwissenschaftlichen Disziplinen fruchtbar machen und interessante Ergebnisse in Anbetracht einer um das Kriterium der Historizität erweiterten Beschreibung der „Poetizität der Sprache“ liefern kann.

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