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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 – Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 3

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Edited By Jianhua Zhu, Jin Zhao and Michael Szurawitzki

Der Band dokumentiert sprachwissenschaftliche Sektionen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) in Shanghai 2015. Er beginnt mit den Sektionen ‚Beziehungsgestaltung durch Sprache‘ sowie ‚Diskurs und Politik‘. Daran schließen sich ‚Welche Mündlichkeit, welche Schriftlichkeit? Sprache unter medialen Bedingungen‘ und ‚Die Poetizität der Sprache‘ an. Die Sektionen ‚Diskursbedeutung und Grammatik: Transtextuelle und gesprächsübergreifende Aspekte grammatischer Inventare‘ sowie ‚Kontrastive Textologie‘ beschließen den Band.

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Poetische Sprache zur Darstellung von Verräumlichungs- und Verzeitigungsprozessen in Theatertexten

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1.       Poetische Sprachgestalt(en) in Theatertexten

In Theatertexten lässt sich eine unendliche Vielfalt poetischer Sprachgestalten finden, die den jeweiligen ästhetischen Zeichencode konstituieren und selbst Bedeutung generieren (vgl. Reinhardt 2014). Mein Beitrag richtet den Fokus auf solche Texte, in denen Sprache in auffallender Weise räumliche und zeitliche Qualitäten aufweist, welche auf die Koexistenz diverser Ebenen im Text verweisen.

Der hier verwandte Begriff der poetischen Sprache/Sprachgestalt1 basiert auf den theoretischen Überlegungen Jakobsons, Lotmans, Bierwischs und Ecos sowie auf der Stiltheorie von Fix (1996, 2006). Poetische Sprache manifestiert sich hiernach in der Abweichung bzw. Relation zu anderen Sprachstilen. Sie ist als ästhetische Kategorie auf Einheitlichkeit gerichtetes sprachliches Handeln und bildet in jedem sprachlichen Kunstwerk ihren eigenen ästhetischen Code, ihre Sprachgestalt(en) aus. Es handelt sich dabei um offene, prozesshafte, kreative Gebilde, die in der „entdeckenden Rezeption“ (Fix 1996: 316) wahrgenommen werden und immer, im gesamten soziokulturellen Kontext gesehen, ein Mehr an Bedeutung liefern. Nach Lotman (1993: 24) ist die Struktur poetischer im Vergleich zur natürlichen Sprache erheblich komplexer, und nur diese „komplizierte künstlerische Struktur gestattet es, einen Informationsumfang zu vermitteln, der mit Hilfe der elementaren eigentlichen sprachlichen Struktur gar nicht übermittelt werden könnte.“ Eine der wichtigen Erkenntnisse Jakobsons (1970: 153) liegt darin, dass Sprache durch ihre poetische Funktion an zeitlich-räumlicher Dimension gewinnen kann.

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