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Lebensbedingungen von Frauen und Kindern um die Wende zum 20. Jahrhundert

Untersucht am Beispiel der Schweiz (Kantone Basel) und Russlands (Region Woronesch)

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Olesya Meskina

Dieses Buch geht der Frage nach, welche sozialökonomische Stellung Frauen und Kinder in der patriarchalisch geprägten Ständeordnung in Russland und in der traditionell geprägten schweizerischen Gesellschaft am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts innehatten. Dafür analysiert die Autorin das Alltagsleben von Frauen und Kindern auf dem Land und in der Stadt sowie die Wahrnehmung und Bedeutung der Frau in der russischen und schweizerischen Geschichtsschreibung.

In diesem Kontext erfolgt ein Vergleich der Lebensbereiche Frauenbilder, Frauenarbeit, Geburt (Hebammen, Abtreibung, Kindsmord), Kindererziehung, Kindersterblichkeit, Kinderpflege sowie geschlechtsspezifischer Normen in der Ehe und der Öffentlichkeit.

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Zusammenfassung

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Diese Untersuchung hat Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Lebenssituation der Frauen und Kinder in der Schweiz, insbesondere in den Kantonen Basel-Land und Basel-Stadt, und im Russischen Reich – hier vor allem in der Region Woronesch – aufgezeigt. Erforscht wurden die Struktur der Familie, die Rollenverteilung in der Familie, die Kindererziehung und Kinderpflege sowie die Frauenarbeit.

Seit dem Mittelalter schrieb die Geschlechtsvormundschaft in der Schweiz den Frauen und Männern unterschiedliche soziale Funktionen zu. Hier waren die Auswirkungen dieser Rechtsinstitution je nach Region und Zeit unterschiedlich. Mit der Verehelichung kam die Frau unter die Vormundschaft ihres Mannes. Nach der Aufhebung 1876 im Kanton Basel-Stadt und 1879 im Kanton Basel-Land entschieden sich dennoch einige Frauen, freiwillig bevormundet zu bleiben, um sozial gesichert zu sein. Die Ehe blieb nach der Einführung der Zivilform durch das eidgenössische Zivilstandsgesetz von 1874684 sowie nach der Revision von 1912 weiterhin einer patriarchalischen Ordnung verpflichtet. Das schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB), das 1912 an die Stelle des kantonalen Privatrechts trat, beseitigte zwar die eheliche Vormundschaft als rechtliche Einrichtung. De facto blieben die verheirateten Frauen in ihrer Handlungsfähigkeit aber massiv eingeschränkt. Das heisst z.B., dass der Mann das Recht besass, seiner Frau eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit zu verbieten. Das Leitbild für den Gesetzgeber war die Vorrangstellung des Mannes gegenüber der Frau. Das Zivilgesetzbuch von 1912 weist der Frau ihre Rolle in der Familie zu, sie musste dem Mann „mit Rat und Tat zur Seite stehen“.685 De jure beseitigte es die eheliche Vormundschaft...

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