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Online-Beratung im Gruppenchat für Jugendliche und junge Erwachsene

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Monika Vey

Virtuelle Beratungsräume statt personaler Begegnung? Vor allem für junge Menschen bietet die leichte Verfügbarkeit eine Chance, fachliche Hilfestellung wie qualifizierte psychologische Beratung ohne große Hürden zugänglich zu machen. Im Gruppenchat als hybrider Form kann sowohl Fachkompetenz wie auch Peer-Empowerment abgerufen werden. In der empirischen Analyse von Chattexten aus der Jugendberatung der bke beleuchtet die Autorin das Spannungsfeld zwischen scheinbar oberflächlichem Plaudern und ernsthafter Selbstreflexion und beschreibt die Auswirkungen einer Verschränkung dieser beiden scheinbar unvereinbaren Themenfelder. Sie diskutiert Chancen und Grenzen sowie typische Eigenheiten der medienbasierten Jugendberatung und Anregungen zur Qualifizierung für dieses Tätigkeitsfeld.

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5.4.1 Beispiele

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Ausschnitt 63: Flüsterbeispiel 1, bke-Uschi 24.01.12

Anmerkung: um den Verlauf deutlicher zu machen wurden hier jeweils nur die Textzeilen zusammengestellt, die den Flüsterdialog zwischen den zwei beteiligten Teilnehmerinnen abbilden (Ausnahme: Z. 105, offene Frage der Fachkraft).

Klientin 10 flüstert Klientin 2 an (und zwar 30 Sekunden nach der Frage der FK: „wer ist heute das erste mal dabei?“, Z. 63), nutzt demnach vermutlich die Pause, in der sie nichts Aufregendes erwartet, für einen eigenen Vorstoß/eigene „Action“ und reduziert damit für sich Ungeduld und Langeweile. Nach der ← 271 | 272 → Grußfloskel „huhu“ lässt die Formulierung „lange nicht gesehn“ auf eine bereits bestehende Bekanntschaft zwischen beiden schließen, wobei offen bleibt, ob im Chat oder sonst wo. Dieser Bezug zu früheren Begegnungen, eventuell gemeinsamen Erfahrungen ist nach Thiedeke (2003) ein Kennzeichen für Gruppenkohäsion. Klientin 10 beendet die Kontaktaufnahme mit einer eher allgemeinen Frage „wie geht’s dir?“, was von Klientin 2 ähnlich vage-unverbindlich beantwortet (Z. 71, „hey, joah viel passiert in letzter zeit und dir so?“) und die Frage ohne nähere Erläuterung zurückgegeben wird. Klientin 10 greift dieses Muster auf und gibt ebenfalls nur Andeutungen, sogar unterteilt in zwei Zeilen (Z. 79, 85, „auch viel… (mist) passiert -.-“). Das eingeklammerte (mist) ebenso wie die ikonisierte Befindlichkeitsmitteilung -.- (= betrübt schauend) sowie die hervorgehobene Platzierung durch eine extra zweite Zeile, wo das allgemeine und nichtssagende „auch viel“ – das ja genauso „viel Schönes“ bedeuten k...

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