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Online-Beratung im Gruppenchat für Jugendliche und junge Erwachsene

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Monika Vey

Virtuelle Beratungsräume statt personaler Begegnung? Vor allem für junge Menschen bietet die leichte Verfügbarkeit eine Chance, fachliche Hilfestellung wie qualifizierte psychologische Beratung ohne große Hürden zugänglich zu machen. Im Gruppenchat als hybrider Form kann sowohl Fachkompetenz wie auch Peer-Empowerment abgerufen werden. In der empirischen Analyse von Chattexten aus der Jugendberatung der bke beleuchtet die Autorin das Spannungsfeld zwischen scheinbar oberflächlichem Plaudern und ernsthafter Selbstreflexion und beschreibt die Auswirkungen einer Verschränkung dieser beiden scheinbar unvereinbaren Themenfelder. Sie diskutiert Chancen und Grenzen sowie typische Eigenheiten der medienbasierten Jugendberatung und Anregungen zur Qualifizierung für dieses Tätigkeitsfeld.

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VIII Chancen und Risiken dieser neuen Form von Beratung

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Ungeachtet aller Kontroversen über die tatsächlichen Möglichkeiten der Onlineberatung, die oft in einer erbitterten Grundhaltung zwischen Technikskeptikern und -begeisterten, zwischen „Bewahrern des Bewährten“ und „Revoluzzern“ der therapeutisch-beraterischen Szene ausgefochten werden, herrscht übergreifend doch Einigkeit darüber, dass die schriftliche Beschreibung als mehr oder weniger ausgefeilte Explikation des Anliegens eine hilfreiche Strukturierungsfunktion für den Klienten darstellt. Etwas, was innerlich belastet, in Worte zu fassen, schafft per se eine gewisse Distanzierung und ein Gefühl von Handlungsfähigkeit gegenüber dem Problem. Dies kann an sich schon entlastend erlebt werden und damit den weiteren Denkprozess und Lösungsideen fördern.

Der Therapeut Fritz. B. Simon beschreibt diese Wirkung als „Rogers-Effekt“ des Schreibens: „Ich schreibe und beim Lesen wird es mir zurückgespiegelt, so dass der Faden weitergesponnen werden kann. Der Gedanke würde nicht weiter verfolgt, wenn er nicht niedergeschrieben worden wäre. So entwickeln sich im Medium des Geschriebenen Gedanken, die sonst nicht gedacht würden.“ …„Für mich ist Schreiben wie eine Abenteuerreise. Ich weiß vorher nicht, was ich schreiben werde. Ich habe vage Ideen, aber die sind eher wie Berge im Nebel, die Wege sind noch nicht zu sehen, es gibt eine Richtung. Erst während des Schreibens kommt eine Klärung zustande. Ich werde gezwungen, über Dinge nachzudenken, mit denen ich mich sonst nicht beschäftigen würde.“ (Dörte Foertsch im Gespräch mit Fritz B. Simon, 2010, S. 65). Selbst wenn hier eher auf längere Schriftstücke...

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