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Das (franko-)algerische Kino

Eine filmgeschichtliche Studie aus transnationaler Perspektive

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Verena Domberg

Das algerische Kino begleitet die Geschichte des Landes seit dem Unabhängigkeitskrieg. Es reflektiert Entwicklungen und Probleme des modernen Algerien, dessen enge und konfliktreiche Beziehung zu Frankreich sowie die nationale Krise im Bürgerkrieg. Aus filmhistorischer, transnationaler und postkolonialer Sicht bietet diese Studie Einblick in mehr als ein halbes Jahrhundert (franko-)algerische Filmproduktion. Anhand eines umfangreichen Korpus werden mit der Konstruktion von Geschichte und Identität zwei Zentralthemen dieses Kinos ergründet. In exemplarischen Analysen untersucht die Arbeit Klassiker wie La Bataille d’Alger oder Chronique des années de braise, aber auch zahlreiche andere, dem europäischen Publikum weniger bekannte, Filme.

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II Politisch-historische und theoretische Hintergründe

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II  Politisch-historische und theoretische Hintergründe

1.    Homogenisierungen im kolonialen und unabhängigen Algerien

Erfahrungen der (De-)Kolonisation haben sich deutlich auf die weitere politisch-historische Entwicklung und Selbstdefinition Algeriens ausgewirkt und prägen bis heute auch die kinematographische Produktion. Sie bilden die Ausgangssituation sowie den Gegenstand eines Großteils der untersuchten Filme. Zwar können die einzelnen Fakten der franko-algerischen Geschichte hier nicht detailliert aufgeführt werden.12 Im Folgenden soll aber ansatzweise auf die Grundproblematik geblickt werden, die sich aus der kolonialen sowie der anschließenden nationalen Politik ergeben hat und hier von Interesse ist.

Algerien wurde seit der Antike mehrfach zum Eroberungsziel fremder Mächte, die die Gewaltgeschichte geprägt und jeweils ihre Spuren hinterlassen haben.13 Zu den ältesten in Algerien angesiedelten Einwohnern zählen verschiedene Bevölkerungsgruppen, die unter der Bezeichnung „Berber“ zusammengefasst werden.14 Dies ist insofern bedeutend, als sich das in der antikolonialen Bewe ← 19 | 20 → gung herausgebildete und noch immer dominante nationale Selbstbild auf eine arabisch-islamische Identitätsdefinition stützt und der algerische Nationalismus in seinen Dogmen und Praktiken die Berber lange Zeit historiographisch und kulturpolitisch diskriminiert (hat). Ungeachtet der offiziellen Narration einer arabisch-islamischen Ursprünglichkeit Algeriens sind die tatsächlichen Einflüsse vielschichtig. Die verschiedenen Eroberungen führten einerseits zu einer heterogenen Zusammensetzung der Bevölkerung, andererseits beinhalteten sie auch, in unterschiedlichem Maße, eine gewaltsame Durchsetzung der Herrschaftskultur, so vor allem der Religion und Sprache der Invasoren.15 Im Gegensatz zu früheren Herrschaften, wie der ihr direkt vorangegangenen,...

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