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Literaturwissenschaftliche Aufbaujahre

Beiträge zur Gründung und Formation der Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum – ein germanistikgeschichtliches Forschungsprojekt

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Carsten Zelle

Der Band ist ein Beitrag zur Germanistikgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Er rekonstruiert die Gründung und Formation der Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut der 1965 eröffneten Ruhr-Universität Bochum. Vorgestellt werden die ›Gründungsprofessoren‹ Ingrid Strohschneider-Kohrs – erste germanistische Lehrstuhlinhaberin der BRD –, Hans Joachim Schrimpf, Klaus Günther Just und Paul Gerhard Klussmann. Weitere Beiträge gelten der Bochumer Neugermanistik in der Studentenbewegung, ihrem Ausbau bis Mitte der 80er Jahre mit Komparatistik, Literaturdidaktik und Sozialgeschichte sowie prägenden Sammlungen und Institutionen. Verzeichnisse der Schriften, Lehrveranstaltungen und Doktoranden sowie maßstabsetzende Aufsätze der frühen Bochumer Neugermanisten werden dokumentiert.

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Die Theatersammlung Kurt Dörnemann

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Als traumwandlerisches Entdecken mit Chaoslust, aber auch Ordnungsstreben hat Walter Benjamin die Tätigkeit des Sammlers gesehen und in seiner Einbahnstraße über das ›unordentliche Kind‹ geschrieben: »Jeder Stein, den es findet, jede gepflückte Blume und jeder gefangene Schmetterling ist ihm schon Anfang einer Sammlung, und alles, was es überhaupt besitzt, macht ihm eine einzige Sammlung aus. An ihm zeigt diese Leidenschaft ihr wahres Gesicht, den strengen indianischen Blick, der in den Antiquaren, Forschern, Büchernarren nur noch getrübt und manisch weiterbrennt. Kaum tritt es ins Leben, so ist es Jäger.«1 Die Sammlerleidenschaft ließe sich wohl durch (An-)Ordnungen der Verzeichnisse regulieren, doch die Erinnerungen entzünden sich an jedem Stück, Buch, Notizzettel, Brief, Bild oder einer anderen Lebensspur. Wie Benjamin es am Kunstsammler Eduard Fuchs gezeigt hat, liegt ein Erkenntnispotenzial des Sammelns darin, dass damit geläufige oder gar ideologisch gefasste Schablonen ausgehebelt werden können. Ohne vorgefasste Rubrik entsteht das spezifische Interesse erst bei diesem Prozess – nicht selten werde hier auch schrulligen oder vermeintlich abseitigen Einzelfällen die Vorfahrt erteilt und so eine »Antwort des Praktikers auf die Aporien der Theorie«2 gefunden.

Man könnte sich die Rolle des Theaterjournalisten, Erzählers und Kulturnetzwerkers Kurt Dörnemann (1913–2009) so vorstellen: Am liebsten hätte er in seiner Begeisterung noch Leute selbst gesammelt – Schauspieler, Regisseure, Intendanten, Kollegen und sogar das Publikum. Allerdings konnten es bei allen persönlichen Kontakten nur gesammelte Zeichen sein, die nun von gelebter...

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