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Kartographien von Identität und Alterität in englischen Reiseberichten über die Neue Welt

1560–1630

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Sabrina Kessler

Im Zentrum dieser Studie steht die diskursive Konstruktion von Identität und Alterität in englischen Reiseberichten über die Neue Welt. Sie untersucht, wie in dieser hybriden Textgattung zwischen 1560 und 1630 das Andere und Fremde repräsentiert und funktionalisiert wird, wobei das Eigene stets als zentraler Bezugspunkt fungiert. In intensiven close readings betrachtet die Autorin zahlreiche Berichte über einige der berühmtesten englischen Reisen des Age of Discovery von John Hawkins, Martin Frobisher, Francis Drake, Walter Raleigh und John Smith. Anhand der jeweils spezifischen Signatur der Einzeltexte erstellt sie eine Kartographie des Anderen und Fremden in der englischen Reiseberichterstattung der Frühen Neuzeit über Amerika, die ebenso als eine Kartographie von Selbstbildern zu lesen ist.

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1 Anfänge

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Die ‚Entdeckung‘ Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 wird häufig als eines der wichtigsten Ereignisse interpretiert, die den Anfang der Neuzeit markieren.1 Aber was sind Anfänge?

Aristoteles beschreibt den Anfang als etwas, „was selbst nicht notwendig auf ein anderes folgt, aus dem aber ein anderes natürlicherweise wird oder entsteht.“ (1961, 34) Diese Definition legt fest, dass einem Anfang nichts vorausgeht, was für dessen Existenz bzw. zu dessen Verständnis notwendig wäre. Da sich diese Arbeit zum Ziel setzt, die Anfänge der neuzeitlichen englischen Reiseberichterstattung zu untersuchen, könnte dementsprechend der trügerische Eindruck entstehen, es würde davon ausgegangen, das definierte Textkorpus sei urplötzlich und sozusagen aus einem Vakuum heraus entstanden. Aber keine Reise erfolgt voraussetzungslos; genauso wenig wie das Schreiben darüber, das seit jeher aufs Engste mit dem Reisen verknüpft ist und selbst oftmals metaphorisch mit einer Reise gleichgesetzt wird. (vgl. Hulme und Youngs 2007b, 2) Auch die Reiseberichterstattung der Frühen Neuzeit verfügte bereits über eine Vielzahl an Vorbildern von Vor-Gängern, die ein reiches rhetorisches Repertoire zur imitatio bereitstellten.2 Aber genauso wie jede diskursive Selbst-Begründung, die ein zentrales Thema dieser Arbeit ist, „immer mit einer dezisionistischen Setzung, der Setzung eines Anfangs beginnen [muss]“ (Bode 2008, 9), soll hier der ‚Beginn der Neuzeit‘ als solche begriffen werden. Diese Setzung, die im Allgemeinen mit Epochenbezeichnungen wie ‚Frühe Neuzeit‘, ‚Renaissance‘ oder ‚Zeitalter der Entdeckungen‘ ← 15 | 16 → versprachlicht wird,3 liefert den zeitlichen und diskursiven...

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