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Die Ansprüche der Literatur als Herausforderung für den Literaturunterricht

Theoretische Perspektiven der Literaturdidaktik

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Edited By Nicola Mitterer, Hajnalka Nagy and Werner Wintersteiner

Der Begriff ‚Ansprüche der Literatur‘ ist Programm: Er steht für einen Literaturunterricht und eine Literaturdidaktik, die sich deutlich vom dominierenden Diskurs der Kompetenzorientierung und Funktionalisierung schulischen Lernens absetzen. Die Beiträge dieses Bandes stellen das Abenteuer der Textbegegnung wieder in den Mittelpunkt eines Literaturunterrichts, dessen Ergebnis nicht im Voraus festlegbar ist. Dieser literar-ästhetische Zugang beruht auf einer genauen Textlektüre, die sich jedes einzelnen Wortes, seiner Struktur und seiner sprachlichen Verfremdungen annimmt, die aber ebenso aufmerksam die eigenen Reaktionen auf den Text registriert und diese schließlich in Beziehung zur Sprache des Textes selbst bringt. Das Ergebnis ist ein Literaturunterricht, der den Lernenden und den literarischen Werken gleichermaßen gerecht wird.

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Nicola Mitterer, Hajnalka Nagy und Werner Wintersteiner - „Fast alles Mögliche“. Zu diesem Band

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Nicola Mitterer, Hajnalka Nagy und Werner Wintersteiner

„Fast alles Mögliche“. Zu diesem Band

Es ist so, daß Geschichten eigentlich immer Fragmente sind, auch wenn ihre Erzähler oder Schreiber das nicht wissen, und die Zuhörer oder Leser erst recht nicht. Die vollständigsten Geschichten sind die, die dort, wo sie mitten im Satz aufhören, einen Riß im Hirn hinterlassen. (Fried 1978, S. 66)

Mit diesen Worten – der Einleitung zum Text Fragment aus Erich Frieds Sammlung Fast alles Mögliche – wird die Lektüre eines Textes als eine Begegnung zwischen Text und Leser interpretiert, aus der niemand unversehrt hervorgeht. Der Text zeigt Wirkung, aber nicht im Selbstlauf, sondern erst dadurch, dass sich eine Leserin den Geschichten aussetzt und das Fragment selbst vervollständigt, das heißt, sich auf dessen Sinnangebote einlässt. Man könnte es auch so formulieren: Die Leserin hat auf den „Anspruch“ des Textes reagiert, geantwortet, oder vielleicht auch nur: ihre eigenen Reaktionen zugelassen.

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