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Phonologische Diversität - Wechselbeziehungen zwischen Phonologie, Morphologie und Syntax

Emmerich Kelih

Der Autor untersucht Wechselbeziehungen zwischen dem Phoneminventarumfang und phonologischen, morphologischen, syntaktischen und semantischen Eigenschaften. Der Phoneminventarumfang gilt als quantitativer Gradmesser für phonologische Komplexität. Diese hängt mit Fragen der Sprachökonomie, Kompensationstheorien und Selbstregulation sprachlicher Systeme zusammen. Nach einer kritischen Neubewertung derartiger Wechselbeziehungen plädiert er für eine statistische Modellierung, die konzeptuell auf synergetischen Sprachtheorien beruht. Die empirische Analyse slawischer Sprachen zeigt eine vorrangige Wirkung des Phoneminventarumfangs auf die phonologische Ebene selbst und eine multidirektionale Beeinflussung anderer sprachlicher Ebenen.

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1. Einleitung

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1. Einleitung

Die Phonologie spielte lange Zeit die Rolle einer sprachwissenschaftlichen Königsdisziplin. In diesem Bereich wurde ein grundsätzlicher Terminologie- und Methodenapparat geschaffen, der von nachhaltiger Bedeutung für viele linguistische Schulen und Richtungen sowie die Beschreibung von linguistischen Einheiten ist. Die bedeutungsunterscheidende Funktion von Phonemen, die Merkmalsanalyse, die Eruierung von Minimalpaaren, die Berücksichtigung des distributionellen Kontextes (Phonemdistribution, Phonotaktik) und das stetige Anwachsen der Kenntnisse über grundlegende qualitative Eigenschaften der phonologischen Systeme der Sprachen unserer Welt ist mittlerweile integraler Grundbestand linguistischen Wissens. Wenngleich am Rande, werden aber – wie zu zeigen sein wird – mit erstaunlicher Beharrlichkeit auch immer wieder quantitative Charakteristika phonologischer Systeme thematisiert. Als ein auf den ersten Blick simpel erscheinendes quantitatives Merkmal eines phonologischen Systems gilt dabei die Anzahl von Phonemen (=Phoneminventarumfang)1. Diese Eigenschaft wird in dem vorliegenden Buch in einen entsprechenden Kontext gestellt und es wird nach ihrem aktuellen Stellenwert gefragt.

So geht es im zweiten Kapitel um die gegenwärtige Diskussion zum Phoneminventarumfang und die potenziellen Wechselbeziehungen zu extralinguistischen Faktoren, konkret um die Anzahl von Sprechern. Damit werden Fragen der sprachlichen Diversifikation und des Zusammenspiels von internen und externen Faktoren (Phoneminventarumfang als immanentes Merkmal vs. Sprecherzahl) angesprochen. Darüber hinaus wird aber die empirische Bandbreite hinsichtlich der Anzahl von Phonemen in den Sprachen der Welt aufgezeigt. Hierzu hat die Sprachtypologie und Universalienforschung in den letzten Jahrzehnten umfangreiches Wissen beigesteuert. Neben diesen durchaus interessanten Aspekten gilt es aber auch den Phoneminventarumfang als eine systemimmanente Eigenschaft zu interpretieren....

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