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Das Melodramatische als Vertonungsstrategie

Robert Schumanns Balladen op. 106 und op. 122

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Esther Dubke

Wie der Erstdruck vermerkt, vertonte Robert Schumann im Jahr 1849 die Ballade „Schön Hedwig" op. 106 „für Declamation mit Begleitung des Pianoforte". Unter derselben Besetzungsangabe wurden drei Jahre später die „Ballade von Haideknaben" und „Die Flüchtlinge" op. 122 publiziert. Die Autorin untersucht die zeitgenössischen positiven Äußerungen zu Schumanns Werken, die in einem Umfeld der grundsätzlichen Ablehnung des Melodrams markant hervortreten. Sie zeigt, wie vor allem die Konzertmelodramen tiefgreifende Einblicke in seine Musik- und Gattungsästhetik ermöglichen: Mit dem Melodramatischen als Vertonungsstrategie betrat der Komponist – trotz einer über siebzigjährigen Gattungstradition – musikalisch neues Terrain.

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2. Schumanns Textwahl und musikalischer Umgang – künstlerischer Anspruch und kompositorische Freiheit

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2.    Schumanns Textwahl und musikalischer Umgang – künstlerischer Anspruch und kompositorische Freiheit

Birgt das melodramatische Kompositionskonzept die prinzipielle Möglichkeit eines schonenden und sorgsamen Textumgangs – also die Chance eines kompositorischen Entgegenkommens an die Originalität des poetischen Werkes –, so zeigt doch die Gattungsgeschichte des Konzertmelodrams, dass viele Komponisten des 19. Jahrhunderts auch zum Zwecke der melodramatischen Vertonung einer Dichtung nicht zögerten, durch Kürzungen, Straffungen oder auch Dramatisierungen in die Textvorlage einzugreifen.41 So findet auch der Zugang zum kompositorischen Umgang Schumanns mit den dichterischen Vorlagen seiner drei Werke für Deklamation mit Begleitung des Pianoforte in einer ersten Ermittlung allgemeiner oder durchgängiger Tendenzen bei der Auswahl und Behandlung der von ihm verwendeten Dichtungen für vokale Kompositionen seine analytische Voraussetzung. Erste und grundlegende Erkenntnisse über die generelle Bedeutung von Literatur und Poesie im kompositorischen Schaffen Schumanns, über Veränderungen an Dichtungen von eigener oder fremder Hand sowie über kompositorische Entwicklungen in der musikalischen Bearbeitung poetischer Textvorlagen lassen erste und objektive Beobachtungen hinsichtlich einer spezifischen Prägung der melodramatischen Vertonungen zu. Aus diesen wiederum lassen sich erste Überlegungen zur funktionalen Position und zu einer musikästhetischen Absicht hinter der melodramatischen Vertonungsstrategie in Schumanns vokalem Schaffen ableiten.

Franz Liszt machte bereits 1855 in seinem Aufsatz „Robert Schumann“ deutlich, dass weite Bereiche im Œuvre Schumanns nur über eine Vergegenwärtigung seiner fortwährenden Auseinandersetzung mit Literatur und der Dichtkunst vollständig begreifbar sind.

„Er hat die Notwendigkeit eines nähern Anschlie...

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