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Das Melodramatische als Vertonungsstrategie

Robert Schumanns Balladen op. 106 und op. 122

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Esther Dubke

Wie der Erstdruck vermerkt, vertonte Robert Schumann im Jahr 1849 die Ballade „Schön Hedwig" op. 106 „für Declamation mit Begleitung des Pianoforte". Unter derselben Besetzungsangabe wurden drei Jahre später die „Ballade von Haideknaben" und „Die Flüchtlinge" op. 122 publiziert. Die Autorin untersucht die zeitgenössischen positiven Äußerungen zu Schumanns Werken, die in einem Umfeld der grundsätzlichen Ablehnung des Melodrams markant hervortreten. Sie zeigt, wie vor allem die Konzertmelodramen tiefgreifende Einblicke in seine Musik- und Gattungsästhetik ermöglichen: Mit dem Melodramatischen als Vertonungsstrategie betrat der Komponist – trotz einer über siebzigjährigen Gattungstradition – musikalisch neues Terrain.

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3. Das Melodramatische als Vertonungsstrategie der Ballade bei Schumann

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3.    Das Melodramatische als Vertonungsstrategie der Ballade bei Schumann

Im Frühjahr 1845 vermerkte Schumann im Haushaltsbuch die Notiz „Idee: Gedichte z. Declamation m. Begleitung des Pfte“146. Eine Umsetzung dieses Kompositionsvorhabens erfolgte jedoch vorerst nicht, die Projektidee blieb indessen präsent: Ein Tagebucheintrag – beinahe auf den Tag genau ein Jahr später – wiederholt den kompositorischen Vorsatz.147 Bereits drei Jahre vor den ersten Arbeiten an der Vertonung des Manfred-Stoffes nach Lord Byron zu seinem Dramatischen Gedicht in drei Abteilungen op. 115 – und damit auch vor der ersten Erprobung des melodramatischen Kompositionsmittels einer deklamierten Textvortonung in einem musikdramatischen Orchesterwerk mit Chor und Solopartien – formulierte Schumann also die Absicht zur Komposition eines Konzertmelodrams. Doch es verging noch ein weiteres Jahr, bis er dieser Idee Taten folgen ließ und Schön Hedwig op. 106 als erstes Werk für Deklamation mit Klavierbegleitung im Dezember 1849 entstand.148

Allein diese Beobachtungen der zeitlichen Distanz zwischen erster Äußerung und Verwirklichung des kompositorischen Projekts sowie Schumanns fortwährende Auseinandersetzung mit literarischen Werken während dieses Zeitraums – hier braucht nur an das vierte Heft der Romanzen und Balladen für Singstimme mit Klavierbegleitung und an die musikdramatischen Werke erinnert zu werden –, die Rekapitulation der Idee und schließlich die ersten kompositorischen Erfahrungen mit der Deklamation als Mittel der Textvertonung verdichten sich zu der Hypothese, dass das Experiment einer melodramatischen Gedichtvertonung zu einem kammermusikalischen Werk zunächst in Ermangelung einer geeigneten Textvorlage aufgeschoben wurde. Wie bei den Balladenvertonungen des Liederjahres...

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