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Das Melodramatische als Vertonungsstrategie

Robert Schumanns Balladen op. 106 und op. 122

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Esther Dubke

Wie der Erstdruck vermerkt, vertonte Robert Schumann im Jahr 1849 die Ballade „Schön Hedwig" op. 106 „für Declamation mit Begleitung des Pianoforte". Unter derselben Besetzungsangabe wurden drei Jahre später die „Ballade von Haideknaben" und „Die Flüchtlinge" op. 122 publiziert. Die Autorin untersucht die zeitgenössischen positiven Äußerungen zu Schumanns Werken, die in einem Umfeld der grundsätzlichen Ablehnung des Melodrams markant hervortreten. Sie zeigt, wie vor allem die Konzertmelodramen tiefgreifende Einblicke in seine Musik- und Gattungsästhetik ermöglichen: Mit dem Melodramatischen als Vertonungsstrategie betrat der Komponist – trotz einer über siebzigjährigen Gattungstradition – musikalisch neues Terrain.

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Vorwort

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Im Alter von 35 Jahren formulierte Robert Schumann erstmals seine „Idee“ zur Komposition eines Konzertmelodrams in den Haushaltsbüchern. Doch es sollten noch drei weitere Jahre vergehen, bis im Dezember 1849 sein erstes Werk „für Declamation mit Begleitung des Pianoforte“, wie es im Erstdruck heißt, entstand. Nach der Vortonung der Ballade Schön Hedwig von Friedrich Hebbel folgten bis 1853 die Ballade vom Haideknaben, wiederum auf eine Hebbel-Dichtung, und Die Flüchtlinge nach einer Übersetzung des Gedichts The Fugitives von Percy Bysshe Shelley. Zum einen komponierte Schumann die drei in Rede stehenden Werke also in seiner späten Schaffensphase, der sowohl von zeitgenössischer Kritik als auch von Historiographie nachhaltig die Stigmata nachlassender Schöpferkraft und beginnender geistiger Umnachtung aufgeprägt wurden. Zum anderen entstanden Schön Hedwig op. 106, die Ballade vom Haideknaben und Die Flüchtlinge, die unter der gemeinsamen Opusnummer 122 zusammenfasst wurden, damit in einem Umfeld der generellen Ablehnung des Melodrams und zu einer Zeit, als das Genre – wie Franz Brendel betonte – „gänzlich aus der Mode gekommen“ war. Allein diesen zwei Faktoren mag geschuldet sein, dass den beiden Opera beziehungsweise den drei Balladenvertonung in der musikwissenschaftlichen Forschung bisher wenig Resonanz zukam.

Die im Titel der Arbeit bereits anklingende Perspektivierung, die das Melodram nicht als feste Gattung begrenzt und stattdessen die Strategien hinter dem deklamatorischen Vertonungsprinzip zur Diskussion stellt, legt jedoch das experimentelle Potential der drei Werke offen. Darüber hinaus wird mit diesem analytischen Zugriff erkennbar, dass es sich...

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