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«Die Zauberflöte» und das «Populare»

Eine kleine Mediologie der Unterhaltungskunst

Ralph Köhnen

Das Libretto der «Zauberflöte» bildet ein komplexes Netzwerk aufklärerischer Diskurse. Themen wie Humanität, Freimaurerei, ägyptische Mythologie, die Französische Revolution, künstlerische Raffinesse, Liebe sowie Formen der Herrschaft unterzieht der Autor einer mediologischen Analyse. Anhand der Oper stellt er den Beginn der kommerziellen Unterhaltungskunst dar und präsentiert die Strategien des Theaterunternehmers Schikaneder, den Publikumsgeschmack zu erobern und eine raffinierte Ästhetik der Illusionsbildung zu betreiben. So zeigt dieses Buch, dass das Erfolgsgeheimnis der Oper darin besteht, ein Hybrid aus Elementen des ‚Populären’, wie Mozart es bezeichnete, und der Hochkultur zu formen.

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Einleitung: Populäres 1770/1970

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That is God… a shout in the street. (James Joyce, Ulysses, 28)

Als Mozart und Schikaneder 1791 mit Passion, aber auch unter Konkurrenzdruck die meist aufgeführte Oper in der Geschichte schreiben, arbeiten sie an einer faszinierenden Hybridbildung: Märchenvorlagen, altägyptische Mythologie und Bibelwissen fließen in das Libretto ebenso ein wie Volksliedtexte und -motive. Die Absichten der beiden sind durchaus heterogen, und dazu gehört auch, die Ansprüche der Spätaufklärung auf der Bühne zu verhandeln und dafür Freimaurermotive sowie politische Vorstellungen zu aktivieren, die mit Anspielungen auf die Tagesereignisse und die Französische Revolution verknüpft werden. Sodann will man ästhetische, literarische und musikalische Extreme wagen – es ist das Zeitalter der Kunstautonomie, und Experimente sind en vogue, man erwartet Überraschungen. Ganz zweifellos ist das Unternehmen aber auch kommerziell geprägt – der Theaterdirektor Schikaneder möchte das von ihm bespielte Bühnenhaus, das Freihaustheater auf der Wieden, unternehmerisch rentabel führen.

Wenn Leopold Mozart seinem Sohn schon mehrfach geraten hatte, das „für iederman leicht fassliche Populare“ zu verfolgen, da das Erhabene zu den großen Sachen gehöre und alles seinen Platz habe (1.11.1777 an W. Mozart; MBA II, 99), ist damit zunächst einmal gemeint, dass der Komponist leicht fassliche, eingängige Melodien schreiben solle, verständlich für möglichst viele Hörer auch innerhalb des höfischen Publikums, um dort eine Anstellung zu erhalten. Erfüllt sind damit schon mindestens zwei Aspekte des sp...

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