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«Die Zauberflöte» und das «Populare»

Eine kleine Mediologie der Unterhaltungskunst

Ralph Köhnen

Das Libretto der «Zauberflöte» bildet ein komplexes Netzwerk aufklärerischer Diskurse. Themen wie Humanität, Freimaurerei, ägyptische Mythologie, die Französische Revolution, künstlerische Raffinesse, Liebe sowie Formen der Herrschaft unterzieht der Autor einer mediologischen Analyse. Anhand der Oper stellt er den Beginn der kommerziellen Unterhaltungskunst dar und präsentiert die Strategien des Theaterunternehmers Schikaneder, den Publikumsgeschmack zu erobern und eine raffinierte Ästhetik der Illusionsbildung zu betreiben. So zeigt dieses Buch, dass das Erfolgsgeheimnis der Oper darin besteht, ein Hybrid aus Elementen des ‚Populären’, wie Mozart es bezeichnete, und der Hochkultur zu formen.

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Akten-Stücke: Das Wiener Bühnenleben im 18. Jahrhundert

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Lachen hat nicht nur unterschiedliche Funktionen. Entscheidend ist auch, wer wann und wo lacht, und für die mittelalterliche Volkskultur hat Bachtin (1987) gezeigt, dass das Lachen eine nicht nur selbstfeiernde, sondern durchaus auch subversive Funktion haben kann. Die Vorbehalte gegen das Lachen stammten teilweise aus der offiziellen höfischen Kultur – nach deren Regeln das Lachen maßvoll zu sein hatte –, dies wiederum ging auf die monastischen Ordnungen und die christlichen Vorbehalte gegen das Maßlose der heidnischen Feierlichkeiten ebenso zurück wie auf Aristoteles’ Verdikt gegen das Verlachen und die lächerlichen Gegenstände in der antiken Komödie (Poetik, Kap. 5). Andererseits gibt es eine karnevaleske Feierkultur, die das groteske, das provokatorische und ausgelassene Lachen ins Extrem treibt, und solche Lebensformen einschließlich der Rede des Marktplatzes mit dem ganzen Register von Umgangssprache, Reklameschreien oder Flüchen fanden schließlich sublimierten Eingang in die kultivierteren Lebensweisen und literarischen Formen (Bachtin 1987, 52). Figurationen dieses Lachens sind der Narr und der Possenreißer, die ganz ohne Rampe auskommen, vielmehr reale Lebensformen darstellen – geraten sie aber in die Nähe der Literatur, stehen sie für die Verkehrung und Erneuerung der Welten, indem sie ein „Bewußtsein der heiteren Relativität der herrschenden Wahrheiten und Mächte“ (Bachtin 1987, 59) eröffnen. Mit solchen Spielformen wird nicht nur eine Gegenwelt zu Höfen, Ämtern, Kirchen und Privathäusern gebildet, vielmehr verbinden sie sich schließlich über die Karnevalsfeste mit der Hochkultur und der Literatur.←19 | 20→

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