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«Die Zauberflöte» und das «Populare»

Eine kleine Mediologie der Unterhaltungskunst

Ralph Köhnen

Das Libretto der «Zauberflöte» bildet ein komplexes Netzwerk aufklärerischer Diskurse. Themen wie Humanität, Freimaurerei, ägyptische Mythologie, die Französische Revolution, künstlerische Raffinesse, Liebe sowie Formen der Herrschaft unterzieht der Autor einer mediologischen Analyse. Anhand der Oper stellt er den Beginn der kommerziellen Unterhaltungskunst dar und präsentiert die Strategien des Theaterunternehmers Schikaneder, den Publikumsgeschmack zu erobern und eine raffinierte Ästhetik der Illusionsbildung zu betreiben. So zeigt dieses Buch, dass das Erfolgsgeheimnis der Oper darin besteht, ein Hybrid aus Elementen des ‚Populären’, wie Mozart es bezeichnete, und der Hochkultur zu formen.

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Alles fauler Zauber? Das Wunderbare und die Märchentexte der Zauberflöte

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Weniger wohl genaue Märchenkenntnis ist beim breiten Publikum zu vermuten, sondern allgemeine Vertrautheit mit dem Märchenhaften, mit Verwandlungsvorgängen, mehrwertigen Figuren und wundersam-wechselhaften Handlungsverläufen, die die märchenhaften Wiener Maschinenkomödien ins Werk setzten. Eine Doppeladressierung ist auch hier zu vermuten: Die genauen intertextuellen Herkünfte der Zauberflöte werden die gebildeten Leser der Aufklärermärchen Wielands, Musäus und anderer bemerkt haben, die Oberflächenvorgänge dagegen sind für jedermann nachvollziehbar. Und darin beweist das Libretto seine Bindungsstärke, indem es Märchenstoffe montiert, stellenweise mit Mythenfiguren legiert, damit für Unterhaltung sorgt und all dies auch mit einem lehrhaft-politischen Subtext verbindet. Trotzdem sind die Funktionen des Märchens umstritten, das im höfischen und später im bürgerlich-gebildeten Kontext als Kunstmärchen und spezieller als Feenmärchen das ganze 18. Jahrhundert über eine wichtige Rolle spielte. Die Querelle beginnt bereits um 1670, als Henri Montfaucon de Villars gegen die rationalistischen Grundtendenzen Boileaus, Racines und Corneilles seinen Rosenkreuzer-Roman Der Graf Gabalis oder Einführung in die Geheimwissenschaften veröffentlichte und gegen das Primat der Vernunft an Einbildungskraft und Wünsche erinnerte, die mit Argumenten der Alchemie, aber auch mit elementarem Märchenpersonal, Wasserwesen, Nymphen etc. ausgestattet wurden. Von dort aus wird sich über Louis de Maillys Märchensammlung, die unter dem Titel Illustres Fées, contes galants dédiés aux Dames 1698 zu Unterhaltungs- und Sittenbildungszwecken für ein höfisch-weibliches Publikum veröffentlicht wurde, bis zum romantischen Kunst←59...

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