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«Die Zauberflöte» und das «Populare»

Eine kleine Mediologie der Unterhaltungskunst

Ralph Köhnen

Das Libretto der «Zauberflöte» bildet ein komplexes Netzwerk aufklärerischer Diskurse. Themen wie Humanität, Freimaurerei, ägyptische Mythologie, die Französische Revolution, künstlerische Raffinesse, Liebe sowie Formen der Herrschaft unterzieht der Autor einer mediologischen Analyse. Anhand der Oper stellt er den Beginn der kommerziellen Unterhaltungskunst dar und präsentiert die Strategien des Theaterunternehmers Schikaneder, den Publikumsgeschmack zu erobern und eine raffinierte Ästhetik der Illusionsbildung zu betreiben. So zeigt dieses Buch, dass das Erfolgsgeheimnis der Oper darin besteht, ein Hybrid aus Elementen des ‚Populären’, wie Mozart es bezeichnete, und der Hochkultur zu formen.

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Die Zauberflöte Reloaded: Schikaneders Labyrinth

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Dass man erfolgreiche Stücke in eine Fortsetzungsreihe bringen kann, ist eines der Prinzipien, das Schikaneder kapitalträchtig umsetzt und in der seriellen Produktionsform bis heute in Hollywood höchst erfolgreich angewandt wird. 1798 knüpft er an sein eigenes Muster an und bringt einen zweiten, musikalisch von Peter Winter umgesetzten Teil zur Uraufführung. Der Titel deutet es bereits an: Das Labyrinth oder Der Kampf um die Elemente ist vitalistisch angelegt als gigantische Maschinenoper und übertrifft die Handlung nebst Spannungsmomenten, aber auch die in Andeutung gehaltene kriegerische Auseinandersetzung von 1791 ins Maßlose, so dass Rommel (1935, 68) das Stück noch der volkstümlichen Barockoper zurechnet. Die Aufnahme war durchaus freundlich in Wien, was die 42 dortigen Aufführungen in den ersten beiden Jahren belegen, geriet aber doch bald ins Stocken, nach 1820 wurde Das Labyrinth in Europa nur noch sporadisch gezeigt, und erst 2012 in Salzburg spielte man eine interessante Neuaufnahme ein. Ohne nun die Oper als gescheitert zu bezeichnen, lässt sich doch gut studieren, welche Strategien des Tüftlers Schikaneder günstig für den Anschlusserfolg sind, wo aber auch dramaturgische Fehlkalkulationen unterlaufen.

Das Personal ist im Vergleich zur Zauberflöte beträchtlich angewachsen und lässt vielfigurige Bühnenszenen zu, wobei die Hilfsfiguren der bösen Seite eine erstaunliche Wandungsfähigkeit besitzen. Das Triebwerk für den verwickelten Handlungsgang, der sich auf den zweiten Blick allerdings als Kompilation iterierender Muster von Drohungen, Problemstellungen und Auflösungen erweist, lässt sich...

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