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Geschichtsdidaktik in der Diskussion

Grundlagen und Perspektiven

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Wolfgang Hasberg and Holger Thünemann

Der Sammelband diskutiert Ausrichtung, zentrale Kategorien sowie Kontroversen der Geschichtsdidaktik. Auch wenn die Begriffe Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historisches Erzählen fest im Diskurs verankert sind, stehen sie wieder unter kritischer Inspektion. Mit den Kontroversen über Kompetenzmodelle historischen Denkens und Modellierungen historischen Wissens sowie den Debatten über „guten" Geschichtsunterricht oder das Verhältnis von Sprache und historischem Lernen sind weitere wichtige Diskussionsfelder hinzugekommen. Mit Blick auf diese Kategorien und Kontroversen ziehen die Beiträge des Buchs Bilanz, eröffnen neue Perspektiven und schlagen Brücken zu anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft.

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Historisches Wissen – verschiedene Formen seiner Strukturiertheit und der Wert von Basiskonzepten

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1.   Annäherung

Historisches Wissen wird in verschiedenen Situationen abgerufen. Auf welche Weise dies geschieht und um welchen Typ von historischem Wissen es sich dabei handelt, bleibt meist unerörtert. Klammert man TV-Spielshows im Fernsehen aus, bei denen auch isolierte historische Daten, Fakten oder Namen zum millionenschweren Ziel führen, ist der österreichische Staatsbürgerschaftstest für Menschen, die zum österreichischen Staatsbürger/zur österreichischen Staatsbürgerin werden möchten, ein Beispiel mit bedeutend mehr Erfolgsaussicht. Die dabei herangezogenen historischen Wissensbestände sind, wie übrigens auch in anderen Ländern,1 primär durch ein Abfragen von isoliertem Faktenwissen gekennzeichnet. So wird über Multiple-Choice-Aufgaben überprüft, wie Österreich in der ältesten Urkunde heißt („ostarrichi“), wo die Unterzeichnung des Staatsvertrages erfolgte („Schloss Belvedere“), wie die Zusammenkunft der europäischen Monarchen 1814/15 genannt wurde („Wiener Kongress“), wer der erste Bundeskanzler der Zweiten Republik war („Leopold Figl“) oder seit wann Österreich Mitglied der UNO ist („1955“). Wie Elfriede Windischbauer herausfand, können derartige Wissensbestände auch von österreichischen Studierenden, die sich für das Lehramt „Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung“ eingeschrieben haben, nur bedingt abgerufen werden.2 Man ← 91 | 92 → könnte hier argumentieren, dass den Staatsbürgerschaftswerber/innen zur Bewältigung Lernunterlagen zur Verfügung gestellt werden, in denen die richtige Antworten vorgegeben sind, wenngleich daraus vermutlich noch weit mehr Fragwürdigkeiten über die Sinnhaftigkeit eines solchen Test erwachsen. Es handelt sich offenbar um einen behördlichen Zugang eines nationalstaatlich orientierten Geschichtsverständnisses und um den Versuch, einen Einbürgerungs- und...

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