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Kontaktanzeigen kontrastiv

Französische und deutsche Kontaktanzeigen im diachronen und synchronen Vergleich

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Vivian Pereira-Koschorreck

Dieses Buch befasst sich mit französischen und deutschen Kontaktanzeigen im mehrdimensionalen Textsortenvergleich, der einen ergänzenden und weiterführenden Beitrag zur kontrastiven Textlinguistik darstellt. Im Rahmen eines diachron-interlingualen Vergleichs ermittelt die Verfasserin anhand von Kontaktanzeigen, die in den Jahren 1900, 1935, 1970 und 2005 erschienen sind, zeit- sowie sprachspezifische Kon- und Divergenzen der jeweiligen Vertextungskonventionen. Dabei nimmt sie zusätzlich geschlechtsspezifische Ausprägungen in den Blick. Erweitert wird diese diachron-interlinguale Vergleichsebene durch eine printmedienspezifische Untersuchung von französischen Kontaktanzeigen, die der Variation der Textsortenkonventionen in Abhängigkeit vom Publikationsmedium und seiner spezifischen Leserschaft nachgeht.

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5.2.4.1.3 Handlungsanweisung

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5.2.4.1.3 Handlungsanweisung

Die grundlegende Intention der Textsorte Kontaktanzeige liegt nicht primär in der Vermittlung von Informationen bezüglich des Kontaktwunsches, der Partnerwahlkriterien oder der eigenen Person. Das oberste Kommunikationsziel besteht vielmehr darin, den Rezipienten zur Kontaktaufnahme mit dem Inserenten zu bewegen. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der makrostrukturellen Analyse. So stellt der entsprechende appellative Teiltext I nur einen fakultativen Bestandteil der französischen Kontaktanzeigen dar, auf den bloß ein recht kleiner Teil der In←167 | 168→serenten zurückgreift, um den Leser explizit zur Kontaktaufnahme aufzufordern bzw. Forderungen bezüglich des Antwortschreibens zu stellen.73

Wie die mikrostrukturelle Analyse der teiltextspezifischen Vertextung ergeben hat, findet sich diese quantitative Verhaltenheit auch auf qualitativer Ebene gespiegelt, insofern die Handlungsanweisung in zurückhaltend-distanzierter Weise realisiert wird. Dabei haben sich für die Versprachlichung der Aufforderung zur Kontaktaufnahme bzw. der auf das Antwortschreiben bezogenen Forderungen – etwa nach Ausführlichkeit oder der exakten Angabe der Kontaktdaten – schon früh bestimmte Strategien und Vertextungsmuster herausgebildet, die im gesamten Untersuchungszeitraum der diskret-verhaltenen Vertextung dieser – im Sinne der sprachlichen Höflichkeitstheorie74 – gesichtsbedrohenden Anweisungssequenzen dienen.

Als konventionelle Formel zum Ausdruck einer expliziten Handlungsaufforderung stellt sich erstens der imperativisch gebrauchte Infinitiv heraus. Dieser wird von nahezu allen Inserenten des Jahres 1900, die diese Texteinheit realisieren, in der Form Ecrire [au] Bureau du Journal, [sous le] n° […] oder S’adresser au bureau du journal, n° […] zur auffordernden Anleitung, an wen die Zuschriften zu richten sind, gebraucht (29 von 32 Belege (90,6 %)). Auch in den...

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