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Russische Satire

Strategien kritischer Auseinandersetzung in Vergangenheit und Gegenwart

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Edited By Michael Düring, Kristina Naumann and Rebekka Wilpert

Die russischsprachige Satire wird häufig in den Rang einer Schattenliteraturform gedrängt. Dennoch kann sie die Funktion ausüben, die der Satire gemeinhin zugeschrieben wird: auf aggressive Art Missstände in einer Gesellschaft zu kritisieren.

Dieser Band enthält die Vorträge der vom Institut für Slavistik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Staatlichen Universität Irkutsk durchgeführten Konferenz «Russische Satire seit der Perestrojka bis in die unmittelbare Gegenwart: Formen und Themen künstlerischer Auseinandersetzung». Ziel des Austausches war, herauszufinden, welche Mittel, Themen, Strategien und Angriffsobjekte es in der russischen Satire gibt, wie die Rezeption von Satire je nach Herkunft der Referent*innen differiert und welche Möglichkeiten sich der Satire im «System Putin» bieten. Die Beiträge befassen sich mit der Sprache der Satire, mit neuen satirischen Ausdrucksformen und -medien wie Liedern und Filmen, aber auch mit der klassischen literarischen Satire.

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Wenn der Mensch zum Tier wird. Die satirische Infragestellung der Idee vom neuen Menschen in der postsowjetischen Literatur am Beispiel von V. Pelevins „Žiznʼ nasekomych“ und T. Tolstajas „Kysʼ“

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Идея создания нового человека, имеющая в истории европейской культуры долгую традицию, находилась в центре внимания советской пропаганды. Закат Советского Союза вновь приводит к интенсивному обращению к этой теме в русской литературе, примерами чего могут служить романы Виктора Пелевина «Жизнь насекомых» (1993) и Татьяны Толстой «Кысь» (2000). Положенные в основу обоих произведениях идеи нового человека и оптимистический взгляд на природу человеческой натуры использованием сатирических приемов шаржируются, и, таким образом, позитивное общественное развитие представляется принципиально невозможным. Оба романа продолжают, по отношению к утопии, ту критическую жанровую традицию, которая обозначилась в первой половине 20-го века в текстах Анатоля Франса, Пьера Мак-Орлана, Карела Чапека и Джорджа Оруэлла.

The idea of creating “new people”, having a long tradition in European culture, was at the centre of Soviet propaganda. The end of the Soviet Union again leads to an extensive treatment of this topic in Russian literature. Examples are Viktor Pelevin’s novel “Zhizn’ nasekomykh” (1993) and Tat’yana Tolstaya’s novel “Kys’ ” (2000). In both texts, the authors caricature the basic ideas of the “new man” and the optimistic view of the nature of man by using satirical devices. By that, they show that positive social development is principally impossible. Thus, in respect to utopian thinking, both novels continue a generic tradition, founded in the first half of the 20th century in the works of Anatole France, Pièrre Mac Orlan, Karel Čapek, and George Orwell.

1.

Die anthropologische Grundfrage, was der Mensch recht eigentlich sei, lässt sich – so wie dies bei jeder Identitätskonstruktion der Fall ist – nur in Abgrenzung zu anderen Wesenheiten beantworten. Zwei Referenzpunkte kommen hierbei in Betracht: einerseits die Götter respektive in monotheistischen Re←123 | 124→ligionen Gott und andererseits die Tierwelt. Das Paradoxe einer solchen Bestimmung ist, dass der Mensch dabei grundsätzlich defizitär erscheinen muss, ganz unabhängig davon, welcher der beiden Referenzpunkte jeweils gewählt wird. In Bezug auf die Götterwelt bedarf diese These keiner weiteren Erläuterung. Weniger plausibel mag sie auf den ersten Blick beim Vergleich zwischen Mensch und Tier erscheinen, da hier eine Abgrenzung durchweg...

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