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Russische Satire

Strategien kritischer Auseinandersetzung in Vergangenheit und Gegenwart

Series:

Michael Düring, Kristina Naumann and Rebekka Wilpert

Die russischsprachige Satire wird häufig in den Rang einer Schattenliteraturform gedrängt. Dennoch kann sie die Funktion ausüben, die der Satire gemeinhin zugeschrieben wird: auf aggressive Art Missstände in einer Gesellschaft zu kritisieren.

Dieser Band enthält die Vorträge der vom Institut für Slavistik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Staatlichen Universität Irkutsk durchgeführten Konferenz «Russische Satire seit der Perestrojka bis in die unmittelbare Gegenwart: Formen und Themen künstlerischer Auseinandersetzung». Ziel des Austausches war, herauszufinden, welche Mittel, Themen, Strategien und Angriffsobjekte es in der russischen Satire gibt, wie die Rezeption von Satire je nach Herkunft der Referent*innen differiert und welche Möglichkeiten sich der Satire im «System Putin» bieten. Die Beiträge befassen sich mit der Sprache der Satire, mit neuen satirischen Ausdrucksformen und -medien wie Liedern und Filmen, aber auch mit der klassischen literarischen Satire.

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Der in die Tiefe gekehrte Turm zu Babel: Pavel Krusanovs Satire über die russisch-amerikanische Feindschaft als Grundlage eines neuen imperialen Denkens im Roman „Amerikanskaja dyrka“ (2005)

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Сатирический потенциал романа П. Крусанова «Американская дырка» зиждется на мифе об окружении России врагами, предводитель которых, Соединенные Штаты Америки, беспрестанно стремится ее уничтожить. Победителем в этой борьбе у Крусанова выходит не Америка, а Россия, которая в результате успешно проведенных манипуляций торжествует как восстановившаяся евразийская империя. Но эпистемология романа такой заменой позиций не исчерпывается. Как показывает ближайшее рассмотрение романа, сатирический импульс с уровня критическо-политических рассуждений превращается в эстетическо-императивное, идеологическое содержание, которое ничтожно и которое, подобно зачаточной форме знаковости, больше не поддается деконструкции.

The satirical potential of P. Krusanov’s novel “Amerykanskaya dyrka” is founded on the myth of a Russia surrounded by enemies, whose leader, the United States of America, constantly tries to extinguish it. The winner in this battle in Krusanov’s work, however, is not America but rather Russia, which, due to successfully planned manipulations, triumphs as a resurrecting Eurasian empire. Nevertheless, the epistemology of the novel is not depleted by this change of positions. The precise analysis of the novel proves that the satirical impulse from the level of critical-political reasoning turns into an aesthetically imperative, ideological content that is insignificant and that, similar to its rudimentary form, can no longer be deconstructed.

Wer vor zehn Jahren die bis dato veröffentlichten Werke des Petersburger Schriftstellers Pavel Krusanov kannte, wird im Jahr 2005 nicht wenig erstaunt gewesen sein, als dessen Roman „Amerikanskaja dyrka“1 erschien. Schon von der graphischen Aufmachung her setzt sich dieses Werk deutlich von den beiden wenige Jahre zuvor publizierten Romanen „Ukus angela“2 und „Bom-bom“3←183 | 184→ ab – wiewohl alle drei Bücher bei Amfora verlegt wurden.4 Weder das Cover von „Ukus angela“ noch das von „Bom-bom“ lassen hierbei eine erheiternd-spöttische oder eine auf irgendeine andere Weise ironieträchtige Lektüre erwarten – ganz im Gegensatz zum Cover von „Amerikanskaja dyrka“: Hier blickt unter dem in aufdringlich großen Lettern gesetzten Autornamen ein als Uncle Sam verkleideter Sergej Kurechin dem Betrachter entgegen – jener 1996 verstorbene legendäre Musiker,...

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