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Der Islamische Staat – Zwischen Terrorismus, Guerilla und Staatlichkeit

Eine systematisch-kritische Studie zum Forschungsstand

Kevin Horbach

Ist der Islamische Staat (IS) ein Terrornetzwerk, eine Guerillaorganisation oder doch ein Staat? Dieses Buch beantwortet die Frage, indem es hinter die Fassade des Kalifats blickt: Es zeigt auf, wer die Entscheidungsträger des IS sind und nach welcher Ideologie und Strategie sie denken und handeln. Zudem betrachtet es den Aufbau der Organisationsstruktur und der transnationalen Vernetzung. Auf Grundlage der Ergebnisse diskutiert diese Studie am Ende ebenfalls potentielle Gegenmaßnahmen.

Durch eine systematisch-kritische Analyse und Auswertung der wichtigsten Fachliteratur zum IS filtert dieses Werk die zuverlässigen Informationen über den Akteur heraus, sodass am Ende ein umfangreiches Gesamtbild präsentiert wird. Vor dem Hintergrund der Terrorismusforschung verortet die Studie den IS als einen Hybrid aus Terror-und Guerillaorganisation.

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6. Transnationale Vernetzung – von lokaler und globaler Propaganda, Rekrutierung und Exklaven-Politik

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6.  Transnationale Vernetzung – von lokaler und globaler Propaganda, Rekrutierung und Exklaven-Politik

Der IS ist ein transnationales Phänomen (vgl. Biene, Schmetz 2015: 3). Sein transnationaler Charakter zeigt sich bereits seit Beginn seiner Gründungsgeschichte: Ein in Afghanistan von Saudis ausgebildeter Jordanier gründete al-Qaida im Irak (vgl. Said 2014: 65). Spätestens ab 2006 aber entwickelte auch die IS Propaganda als zentrale Säule der Kriegs- und Rekrutierungsstrategie einen transnationalen Charakter und baute eine ausgeprägte, vielschichtige und zentralisierte Medieninfrastruktur auf (vgl. Al-’Ubaydi et al. 2014: 47ff.), deren Stärken und Schwächen im Folgenden untersucht werden sollen.

6.1  Qualität, Technisierung, Produktion und Distribution der Propaganda

Ein Zusammenspiel aus autonomer Produktion in jeder IS-Provinz mit der zentral koordinierten Freigabe und Veröffentlichung durch die zentrale IS-Führung erlmöglichte die erstaunlich schnelle Expansion des IS Medienapparates (vgl. ebd.; Barrett 2014: 55; Stern, Berger 2015: 113). Die Hauptziele der Propaganda sind die Rekrutierung sowie die moralische und psychologische Schwächung seiner Gegner. Hierzu propagiert der IS eine erschreckend gut funktionierende Mischung aus Brutalität und Utopie (vgl. Cockburn 2015: 17, 130; Khatib 2015: 11ff.; Saltman, Winter 2014: 39; Stern, Berger 2015: 113f., 249f.). Die entscheidende Neuerung in der Propaganda sind die hohe Quantität und Qualität, die durch eine Kombination aus dezentralisierter Produktion, zentralisierter und kontrollierter Freigabe sowie anschließend stark dezentraler, unkontrollierter Verbreitung ermöglicht wird (vgl. Barrett 2014: 51ff.; Khatib 2015: 13; Reuter 2015: 203ff.; Saltman, Winter...

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