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Erzählen – Identität – Erinnerung

Studien zur deutschsprachigen und ungarischen Literatur 1890–1935

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Magdolna Orosz

Das Buch analysiert die Wandlungen der Kultur und Literatur der frühen Moderne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in Wien und Budapest. Die Autorin reflektiert Veränderungen des Erzählens und der poetologischen Ansichten und fokussiert Probleme wie Ich-Konzepte, Sprachkrise und Fragen der sprachlichen Vermittlung. Sie untersucht Bildlichkeit, Intertextualität und Intermedialität, Metaphorisierung und Phantastik, die narrative Gestaltung von Erinnerung. Das Buch bezieht in einem Ausblick die Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie mit ein.

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2. Kultur und Literatur der Frühen Moderne

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2.1. Jahrhundertwende – frühe Moderne: Kultur im Wandel

Die Zeit der frühen Moderne, die die in einem engeren Sinne verstandene Periode der ›Jahrhundertwende‹ einschließt, kann einerseits als Wende(punkt), als eine Art Aufbruch1 betrachtet werden. Andererseits aber läßt sich auch eine gewisse Kontinuität historischer, kultureller und literarischer Prozesse beobachten, die sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, einer anderen, aber nicht minder bedeutsamen Wende um 1800, in den verschiedensten Sphären der Kultur und in den kulturellen Diskursen2 abzeichneten, so daß der »Aufbruch in die Moderne« eigentlich und zugleich bestimmte langwierige Entwicklungslinien der sozialen, kulturellen Modernisierung fortsetzt und zuspitzt. Die philosophischen, ästhetischen, literarischen, aber auch die psychologischen und naturwissenschaftlichen Diskurse der Zeit zwischen 1880 und 1930 artikulieren mehr oder weniger explizite Fragen wie die der Möglichkeiten der Welterkenntnis und der Selbsterkenntnis des Menschen, der Beziehungen des Individuums zu sich selbst und zu den anderen, die – wenn längere Entwicklungen mit einbezogen werden können – zumindest teilweise als Fortsetzung, in einigen Aspekten als Radikalisierung der Fragestellungen um 1800 aufgeworfen werden. Die Diskussion dieser Fragen geschieht jeweils mit den Mitteln des entsprechenden Diskurses und vollzieht sich in den verschiedenen Diskursen auch nicht gleichzeitig3; die frühe Moderne wird jedoch von den schnellen Wandlungsprozessen in unterschiedlichen kulturellen Diskursen fast gleichzeitig geprägt, was ihr eine besondere Dynamik verleiht. ← 15 | 16 →

Die weitreichenden Veränderungen, die die Jahrhundertwende bzw. die frühe Moderne in den verschiedensten Bereichen des Lebens mit sich bringt, schlagen...

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