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Erzählen – Identität – Erinnerung

Studien zur deutschsprachigen und ungarischen Literatur 1890–1935

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Magdolna Orosz

Das Buch analysiert die Wandlungen der Kultur und Literatur der frühen Moderne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in Wien und Budapest. Die Autorin reflektiert Veränderungen des Erzählens und der poetologischen Ansichten und fokussiert Probleme wie Ich-Konzepte, Sprachkrise und Fragen der sprachlichen Vermittlung. Sie untersucht Bildlichkeit, Intertextualität und Intermedialität, Metaphorisierung und Phantastik, die narrative Gestaltung von Erinnerung. Das Buch bezieht in einem Ausblick die Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie mit ein.

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4. Erzählen und Metapher

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4.1. Metaphorisiertes Erzählen

Die Sprachskepsis und die Sprachkrise der Jahrhundertwende hängen – wie dies u.a. am Beispiel von Nietzsche und Mauthner gezeigt wurde1 – auch mit der Frage der Metapher und der Metaphorisierung eng zusammen. Die Probleme der Erkennbarkeit und der Erzählbarkeit der Welt werfen verschiedene Fragen der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sprachlichen Ausdrucks auf. In Bezug auf das Erzählen und die Erzählbarkeit werden die Möglichkeiten und die Mittel der Erschaffung erzählter Welten in Zweifel gezogen, und es wird auch nach Alternativen ihrer Gestaltung gesucht, bei denen der narrativen Entfaltung von Metaphern eine besondere Bedeutung zukommen kann.

Die antike Poetik und Rhetorik, deren Wirkung epochenübergreifend lebendig bleibt, beschreiben die Metapher nicht nur als eine sprachlich-rhetorische Erscheinung, sondern auch – wie dies schon bei Aristoteles geschieht – in ihrer Verbindung mit dem System der Sprache und ihrer dichterisch-poetischen Verwendung, wobei eben die Verbindungen von ›Mythos‹ und ›Metapher‹ für die Untersuchung von literarischen Erzähltexten von größerem Interesse sein können.2 Die Erscheinungen von Metapher und Metaphorisierung hängen zugleich mit allgemeinen Eigenschaften der Sprache zusammen, und in historisch unterschiedlich ausgeprägten sprachtheoretischen Konzeptionen haben – eine kurze historische Übersicht vermag genug Belege dafür zu liefern – die Ansichten, die die Bildhaftigkeit und die Poetizität als der Sprache inhärente Eigenschaft betrachten, eine einflußreiche Rolle gespielt.3 Die Ansicht, Metaphern seien allgemeine Mittel der menschlichen Welterkenntnis und der Weltkonstruktion, ist neuerdings auch die Grundlage verschiedener konzeptueller Metapherntheorien4, die – mit...

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