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Erzählen – Identität – Erinnerung

Studien zur deutschsprachigen und ungarischen Literatur 1890–1935

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Magdolna Orosz

Das Buch analysiert die Wandlungen der Kultur und Literatur der frühen Moderne der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in Wien und Budapest. Die Autorin reflektiert Veränderungen des Erzählens und der poetologischen Ansichten und fokussiert Probleme wie Ich-Konzepte, Sprachkrise und Fragen der sprachlichen Vermittlung. Sie untersucht Bildlichkeit, Intertextualität und Intermedialität, Metaphorisierung und Phantastik, die narrative Gestaltung von Erinnerung. Das Buch bezieht in einem Ausblick die Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie mit ein.

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5. Erzählen und Erinnerung

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5.1. Historische Krisenzeiten und Erinnerungsdiskurse

Die in den vorausgehenden Kapiteln untersuchten Texte artikulieren nicht nur die Probleme der Identität und ihrer Erzählbarkeit, sondern auch – direkt oder indirekt – die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Zeitlichkeit und Erinnerung: die individuelle Zeiterfahrung und die Erinnerungsvorgänge sowie ihre Modalitäten (Traum, Vision, Einbildung) lassen die vielfältigen Identitätsmomente, die Identitätssuche oder ihr Scheitern in schillernder Brechung erscheinen: all dies erscheint auch in den Auseinandersetzungen mit den narrativen (Re)Konstruktionsmöglichkeiten von individuellen wie kollektiven Geschichten. Die individuellen Identitätsprobleme können auf verschiedene Art und Weise mit Aspekten kollektiver Identitäten und so mit vielfältigen Fragen historisch-kultureller Kontexte verbunden werden. Die Spannungen im historischen Gebilde der Österreichisch-Ungarischen Monarchie sowie das Vorgefühl ihrer Krise und ihr Untergang nach dem Ersten Weltkrieg bringen mannigfaltige Thematisierungen in der Literatur/der Kultur hervor. Sie werden in verschiedenartigen Erinnerungsdiskursen literarischer Texte artikuliert, die historische Traumata erzählerisch umsetzen1, so wird »kulturelles Wissen über das Gedächtnis in ästhetischen Formen (narrative Strukturen, Symbolik, Metaphern) [kodiert]«2, indem das (kulturelle) Gedächtnis »den Gesamtkontext [darstellt]«.3

Die frühe Moderne sieht sich also nicht nur mit dem Zerfall der individuellen Identität, sondern gleichzeitig auch mit der narrativen Erzählbarkeit der »großen« Geschichte konfrontiert, und wenn angenommen wird, in der Postmoderne hat »[d]ie große Erzählung […] ihre Glaubwürdigkeit verloren«4, dann dürfte die Frühe Moderne auf Grund der Infragestellung ihrer Erzählbarkeit als...

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