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Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

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Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

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Schlesien als Gegenstand der Ständeforschung. Traditionen und Perspektiven der deutschen, polnischen und tschechischen Geschichtsschreibung

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Schlesien als Gegenstand der Ständeforschung.

Traditionen und Perspektiven der deutschen, polnischen und tschechischen Geschichtsschreibung

I. Historiographische Traditionen und institutionelle Strukturen

Seit rund zwei Jahrhunderten erforschen Historiker unter institutionen-, verfassungs- und wirtschaftsgeschichtlichen, neuerdings auch sozial- und kulturgeschichtlichen Fragestellungen den großen Reichtum ständischer Lebensformen in Schlesien während des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Dass diese Forschungen in Deutschland, Polen und Tschechien – ob bewusst oder unbewusst – mitunter stark innenpolitisch-gegenwartsengagiert betrieben wurden und auch außenpolitische Deutungen zuließen, wird angesichts des Forschungsgegenstandes, der Beschaffenheit und Funktionsweise eines häufig die Oberherrschaft wechselnden Gemeinwesens kaum überraschen.1 Allgemein bot der Raum Schlesien mit seiner territorialen Vielfalt, dem Nebeneinander unterschiedlich gefestigter Herrschaften mit häufig wechselnden Obrigkeiten und kleinräumigen Identitäts- und Loyalitätsstrukturen, den Gustav Croon 1911 – allerdings in kritischer Absicht – als „Paradies der Stände“2 charakterisierte, geradezu ideale Voraussetzungen für ständegeschichtliche Untersuchungen.

Wie andernorts, hatten die Stände auch hier seit dem 16. Jahrhundert ein lebhaftes Interesse daran, verfassungsrechtlich und politisch bedeutsame Quellen, die ihre Rechtssicherheit ebenso betrafen wie ihre Machtposition gegenüber den Landesfürsten, zu sammeln und möglichst frühzeitig öffentlich zu machen.3 ← 71 | 72 → Dies lässt sich an den historisch-juristischen Werken des Jacob Schickfus,4 der von 1613 bis 1623 als herzoglicher Rat in Brieger und Liegnitzer Diensten stand und mit den rechtlichen Verhältnissen Schlesiens eng vertraut war, ebenso nachweisen wie an der schriftstellerischen Betätigung des Andreas Gryphius,...

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