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Erinnerungskonkurrenz

Geschichtsschreibung in den böhmischen Ländern vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

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Joachim Bahlcke

Deutungen historischer Ereignisse unterliegen vielfältigen Modifikationen, Anpassungen und Ausblendungen, die ihrerseits Ausdruck veränderter Machtverhältnisse, Wertvorstellungen oder Legitimationsbedürfnisse sind. Das östliche Mitteleuropa ist in besonderer Weise geeignet, das Neben-, Mit- und Gegeneinander verschiedener Erinnerungsgemeinschaften in den Blick zu nehmen. Die hier vorgelegten Fallstudien zur böhmischen Ländergruppe stellen verschiedene Typen konkurrierender Geschichtsentwürfe vor, die sich religiös-konfessionell, räumlich-regional oder sprachlich-ethnisch motivierten Interessen verdankten. Dabei wird deutlich: Die erinnerungskulturellen Rivalitäten, die bereits in nachhussitischer Zeit einsetzten, prägten den Prozess der neuzeitlichen Staats- und Nationsbildung nachhaltig.

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Entwicklungsphasen und Probleme der oberlausitzischen Historiographie. Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart

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Entwicklungsphasen und Probleme der oberlausitzischen Historiographie.

Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart

I. Anfänge historiographiegeschichtlicher Reflexion im Sechsstädteland

Als Rudolf Lehmann 1937 seine im Auftrag der niederlausitzischen Stände verfasste Geschichte des Markgraftums Niederlausitz im Druck erscheinen ließ, bemerkte er im Vorwort, dass die Niederlausitz durch die nun vorliegende Arbeit im Vergleich zu vielen anderen deutschen Landschaften erst spät eine gesamtgeschichtliche Darstellung erhalte. Eine Erklärung dafür sah er in der Tatsache, dass der Niederlausitz „bis in die neuesten Zeiten hinein eine reichere Entfaltung geschichtlicher Forschung“1 gefehlt habe.

Umso mehr muss es verwundern, dass die benachbarte Oberlausitz bis zum Ende des 20. Jahrhunderts trotz ungleich günstigerer Voraussetzungen über eine solche gesamtgeschichtliche Darstellung nicht verfügte. Das politische Selbstbewusstsein der Sechsstädte und der unablässige Wettbewerb um die führende Position innerhalb des Städtebundes hatten in der südlichen Lausitz nicht nur früher und intensiver eine eigenständige Chronistik und Geschichtsschreibung einsetzen lassen, die sich dann nahezu kontinuierlich bis zum 18. Jahrhundert weiterentwickelte. Auch institutionell verfügte man im Gegensatz zur Niederlausitz eher über geeignete Strukturen, um die vielfältigen Einzelan ← 155 | 156 → sätze zusammenzuführen und eine eigenständige Landesgeschichte zu begründen.2 Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich allerdings das Blatt zu wenden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren es dann neue Wissenschaftszweige wie die Siedlungsarchäologie, die Siedlungsgeographie und Ortsnamenkunde, die für die Niederlausitz, einem...

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