Show Less
Restricted access

Die kranke Republik

Körper- und Krankheitsmetaphern in politischen Diskursen der Weimarer Republik

Knut Langewand

Wie eine Demokratie krank gemacht wird, indem sie als siech, Geschwür oder Virus bezeichnet wird, kann man am Beispiel der Weimarer Republik ablesen.

Dieses Buch nähert sich der Verbindung von Krankheit und Krise aus der Perspektive demokratischer Spitzenpolitiker Weimars, die zermürbt von republikfeindlichen Anfeindungen krankheitsbedingt ihr Amt aufgaben.

Metaphern wie die des „kranken Volkskörpers" fanden Verbreitung in zeitgenössischen Debatten über Politik – bei Journalisten und Wirtschaftswissenschaftlern ebenso wie in Medizin, Psychologie oder Biologie. Dem Eindruck einer andauernden Krise der Demokratie wurde so Vorschub geleistet.

Es zeigt sich, dass Krankheitsmetaphern wegen ihres gegen Moderne und Aufklärung gerichteten Bedeutungskerns und ihres Beitrags zu einer Verengung realer Handlungsoptionen für ein Gemeinwesen problematisch, ja gefährlich sind.

Show Summary Details
Restricted access

3. Metaphorik gegen die Republik

Extract

← 50 | 51 →

3.  Metaphorik gegen die Republik

„In gewisser Weise ist die gesamte Quellensprache der jeweils behandelten Zeiträume eine einzige Metapher für die Geschichte, um deren Erkenntnis es geht.“ (Reinhart Koselleck)242

Selbst wenn man Kosellecks Einschätzung nur aus ästhetischen Gründen folgen und das „in gewisser Weise“ cum grano salis verstehen wollte – hieße dies, dass die Weimarer Republik, legte man die im folgenden Kapitel dargelegten Beispiele zugrunde, eine „kranke Republik“ gewesen ist? Dies festzustellen würden sich heutzutage vermutlich die meisten Historiker scheuen, selbst wenn sie einer metaphorischen Forschungssprache nicht abgeneigt sind. So sehr die Quellen und ihre Sprache gerade in einer an sprachlichen Phänomenen interessierten historischen Darstellung zu ihrem Recht kommen sollen, so sehr muss Quellenkritik auch im 21. Jahrhundert denselben Ansprüchen genügen, die bereits im Zeitalter ihrer Kanonisierung an sie gestellt wurden.243 Dies soll unter besonderer Berücksichtigung der zuvor ausformulierten Grundlagen nun geschehen. Einer kurzen Darlegung zu Heuristik, Quellenauswahl und Aufbau dieses Kapitels schließen sich, in nochmaliger Zuspitzung der Aspekte von Krise, Metapher und Körper-Diskurs auf den Sonderfall der politischen Krankheitsmetaphern, gewissermaßen als Ouvertüre noch drei kurze Bemerkungen an.

3.1  Zu Aufbau und Quellenauswahl

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.