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Die kranke Republik

Körper- und Krankheitsmetaphern in politischen Diskursen der Weimarer Republik

Knut Langewand

Wie eine Demokratie krank gemacht wird, indem sie als siech, Geschwür oder Virus bezeichnet wird, kann man am Beispiel der Weimarer Republik ablesen.

Dieses Buch nähert sich der Verbindung von Krankheit und Krise aus der Perspektive demokratischer Spitzenpolitiker Weimars, die zermürbt von republikfeindlichen Anfeindungen krankheitsbedingt ihr Amt aufgaben.

Metaphern wie die des „kranken Volkskörpers" fanden Verbreitung in zeitgenössischen Debatten über Politik – bei Journalisten und Wirtschaftswissenschaftlern ebenso wie in Medizin, Psychologie oder Biologie. Dem Eindruck einer andauernden Krise der Demokratie wurde so Vorschub geleistet.

Es zeigt sich, dass Krankheitsmetaphern wegen ihres gegen Moderne und Aufklärung gerichteten Bedeutungskerns und ihres Beitrags zu einer Verengung realer Handlungsoptionen für ein Gemeinwesen problematisch, ja gefährlich sind.

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Vorwort

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Dieses Buch hat mit seinem Teilgegenstand gemein, dass es in Zeiten tiefempfundener politisch-sozialer Krisen entstanden ist – von ersten Überlegungen im Jahre 2008, während der beginnenden globalen Finanzkrise, bis hin zur Fertigstellung während der Griechenland-, Flüchtlings- und anderer Krisen. Die diversen Krankheitsmetaphern, die während dieser Zeit in Politik und Presse immer wieder zur Ausschmückung der Krisenszenarien auftauchten, konnten mir gewissermaßen als Vergleichsfolie für das Vorhaben dienen, dem Zusammenhang zwischen Krankheit und Krise in Debatten der Weimarer Zeit nachzuspüren.

Vorliegende Studie ist als Dissertation am Department of German Studies der University of Warwick (Großbritannien) angenommen worden. Der größte Dank gilt daher meinem Doktorvater Jim Jordan, der mir in vorbildlicher Form Freiräume zum Forschen und gelegentlich auch abseitigen Lesen und Denken ließ. In zahlreichen Gesprächen hat er mich durch unermüdliche Motivation und mit viel Verständnis unterstützt. So konnten auch die sporadischen Momente der ”crises of graduate school in which the student regresses to infantile fantasies”1 immer erfolgreich überwunden werden. Auch den anderen Kollegen am Warwick Department of German Studies, Christine Achinger, Seán Allan und Birgit Röder, zudem Christoph Mick vom Department of History, danke ich für fachlichen und persönlichen Zuspruch, Helmut Schmitz insbesondere für die Begutachtung der Arbeit und den Hinweis auf Adorno, Lukács und die „erpreßte Versöhnung“.

Volker Depkat (Regensburg) hat mit methodischen, inhaltlichen und strategischen Ratschlägen weit über seine Rolle...

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