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Gender im Fokus historischer Perspektiven

«Besonders tüchtig erscheint die holde Weiblichkeit.»

Edited By Gabriele Förster

Aus historischer Perspektive wird in diesem Sammelband ein Blick auf Geschlecht bzw. Gender geworfen, wobei unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen zu Wort kommen – die Theologie, die Geschichtswissenschaft, die Germanistik sowie die Erziehungswissenschaft. Die Zeitspanne reicht hierbei vom Mittelalter bis in die Neueste Geschichte. Alle Beiträge sind vor dem Hintergrund der im Herbst 2014 und 2015 stattgefundenen Forschungskolloquien «Gender im Fokus» des Interdisziplinären Zentrums für Geschlechterforschung (IZfG) der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald entstanden.

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Anders-Werden. Verlaufsformen von Geschlecht in Adalbert Stifters „Der Condor“

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Abstract The article analyses Adalbert Stifter’s “Der Condor”: Gender appears as an unsteady and interdependent category. The organization of gender seems to be paradoxically connected to its (at least partial) transgression and challenge.

1 Figuren und Szenen des Wandels

Der österreichische Autor Adalbert Stifter (1805–1868) ist nicht gerade dafür bekannt, in seinen Erzählungen und Romanen ein besonders fortschrittliches Geschlechtermodell zu vertreten. Vielmehr wurde verschiedentlich betont, dass Stifter in seinen literarischen Texten die bürgerliche Geschlechterordnung des 19. Jahrhunderts mit ihrem starren dichotomischen Verhältnis von Mann und Frau restituiere.1 Bereits in den öffentlichen Reaktionen auf Stifters erste publizierte Erzählung „Der Condor“, die 1840 in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ in fünf Teilen erschien, zeigt sich eine solche Einschätzung.2 Als literarisches Pamphlet gegen die Emanzipation der Frau wurde von der zeitgenössischen Rezension gewertet, dass sich die weibliche Protagonistin Cornelia in Stifters Erzählung buchstäblich über die bürgerlichen Geschlechterkonventionen erhebt, indem sie eine Ballonfahrt „in den höchsten Aether“3←209 | 210→ wagt, daran aber, zumindest vordergründig betrachtet, scheitert – ebenso wie die zwischen ihr und ihrem Zeichenlehrer aufblühende Liebe scheitert.4 In Fortschreibung dieser frühen Wertungen wurde „Der Condor“ von der literaturwissenschaftlichen Stifter-Forschung ebenfalls überwiegend, wenn auch nicht ohne Ausnahmen, als reaktionäre Einhegung von zum Teil bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts überkommenen Weiblichkeitsvorstellung gelesen.5 Dabei wurde jedoch anscheinend übersehen, dass der Text vielfach und vor allem sehr...

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