Show Less
Restricted access

Das Lügenproblem bei Kant

Eine praktische Anwendung der Kantischen Ethik auf die Frage nach der moralischen Bedeutung von Falschaussagen

Yasutaka Akimoto

Dieses Buch prüft die allgemeine Forschungsmeinung, dass Kant ein Vertreter des absoluten Lügenverbots sei. Dabei verteidigt der Königsberger Philosoph aber ebenso den Standpunkt, dass die Moralität einer Handlung von der Maxime des Willens abhängt. Wenn Kant nun gleichzeitig behaupten würde, dass bestimmte Handlungen in jedem Fall verboten sind, würde er sich widersprechen. Indem das Buch die begriffliche Unterscheidung von «Lügen» als pflichtwidrige Falschaussagen und «Unwahrheiten» als nicht pflichtwidrige Falschaussagen trifft, bietet es für dieses Paradox der Kant-Forschung als erste Monografie zum Lügenproblem einen Lösungsansatz. So wird man mit Kant sogar sagen können: «Manchmal musst du die Unwahrheit sagen.»

Show Summary Details
Restricted access

6. Der Formalismusvorwurf

Extract

← 140 | 141 →

6.  Der Formalismusvorwurf

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) ist der Meinung, dass Kants Ethik „nicht nur etwas Überflüssiges, sondern in der Wendung, welche sie erhält, etwas Falsches“476 ist. Er hält sie zudem für „abstrakt, beschränkt und formell“477, als nur auf die Form und nicht auf den Inhalt bedacht. Diese heftige Kritik Hegels bezeichnet man als den Formalismusvorwurf.

Es ist aber nicht Hegel allein, der der Kantischen Moralphilosophie gegenüber einen solchen Vorwurf ausspricht. In einer Reihe wären hier u. a. Max Scheler478 und Nicolai Hartmann479 zu nennen, deren Verständnis vom Formalismus allerdings ein anderes ist als das Hegelsche. Bis in die Gegenwart hinein hat dieser Vorwurf, wie Ludwig Nagl schreibt, Freunde gefunden.480

Aber auch Feinde, wenn man so will, oder zumindest Forscher, die den Formalismuseinwand gegen Kants Ethik kritisch betrachten. Einer von ihnen ist Otfried Höffe. In seinem Aufsatz Freiheit und kategorischer Imperativ schreibt er im Abschnitt „Ist Kants Ethik formalistisch?“: „Der Einwand [des Formalismus] ist richtig und falsch zugleich.“481 Höffe, einer der berühmtesten heutigen Kantforscher, interpretiert Kants Ethik zwar nicht als vollständig, aber immerhin als teilweise formalistisch.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.