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Das Lügenproblem bei Kant

Eine praktische Anwendung der Kantischen Ethik auf die Frage nach der moralischen Bedeutung von Falschaussagen

Yasutaka Akimoto

Dieses Buch prüft die allgemeine Forschungsmeinung, dass Kant ein Vertreter des absoluten Lügenverbots sei. Dabei verteidigt der Königsberger Philosoph aber ebenso den Standpunkt, dass die Moralität einer Handlung von der Maxime des Willens abhängt. Wenn Kant nun gleichzeitig behaupten würde, dass bestimmte Handlungen in jedem Fall verboten sind, würde er sich widersprechen. Indem das Buch die begriffliche Unterscheidung von «Lügen» als pflichtwidrige Falschaussagen und «Unwahrheiten» als nicht pflichtwidrige Falschaussagen trifft, bietet es für dieses Paradox der Kant-Forschung als erste Monografie zum Lügenproblem einen Lösungsansatz. So wird man mit Kant sogar sagen können: «Manchmal musst du die Unwahrheit sagen.»

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10. Fazit

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10.  Fazit

Am Ende dieser Arbeit sollen nun die wichtigen Kernpunkte noch einmal zusammenfassend festgehalten werden.

Im Allgemeinen wird in der Forschung angenommen, dass die Philosophen der Kirche (Augustinus, Thomas von Aquin) und Kant die Lüge ausnahmslos verbieten, und dass die Rechts- und Moralphilosophen (Grotius und Pufendorf sowie Wolff und Baumgarten) sie erlauben.

Nun kann zwar nicht gesagt werden, dass dies falsch sei, es ist jedoch andererseits auch nicht detailliert genug dargelegt. Liest man derartige Interpretationen, erhält man den Eindruck, Kant sperre sich unter allen Umständen und Bedingungen – selbst wenn es um die Rettung eines Freundes vor einem Mörder ginge – gegen die Unwahrheit. Dies wiederum ist nicht richtig. Schlösse Kant jegliches Recht zur Unwahrheit aus, wäre seine Ethik in sich widersprüchlich. Für Moralität ist bei Kant die Art der Maxime des Willens entscheidend, seine Ethik ist eine deontologische. Wenn er trotzdem eine bestimmte Handlung (etwa die Äußerung einer Unwahrheit) für moralisch böse hielte, würde er zwei Moralkriterien anlegen: die Maxime des Willens und die Handlung per se. Mitunter widersprechen sich diese zwei allerdings, sodass beispielsweise die Moralität einer aus Pflicht geäußerten Falschaussage nicht eingeschätzt werden könnte.

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