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Das Lügenproblem bei Kant

Eine praktische Anwendung der Kantischen Ethik auf die Frage nach der moralischen Bedeutung von Falschaussagen

Yasutaka Akimoto

Dieses Buch prüft die allgemeine Forschungsmeinung, dass Kant ein Vertreter des absoluten Lügenverbots sei. Dabei verteidigt der Königsberger Philosoph aber ebenso den Standpunkt, dass die Moralität einer Handlung von der Maxime des Willens abhängt. Wenn Kant nun gleichzeitig behaupten würde, dass bestimmte Handlungen in jedem Fall verboten sind, würde er sich widersprechen. Indem das Buch die begriffliche Unterscheidung von «Lügen» als pflichtwidrige Falschaussagen und «Unwahrheiten» als nicht pflichtwidrige Falschaussagen trifft, bietet es für dieses Paradox der Kant-Forschung als erste Monografie zum Lügenproblem einen Lösungsansatz. So wird man mit Kant sogar sagen können: «Manchmal musst du die Unwahrheit sagen.»

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Einleitung

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Das Problem der Lüge wurde bereits von den griechischen Philosophen Sokrates, Xenophon, Platon und Aristoteles als philosophisches Thema erkannt und behandelt1, und hat demnach eine lange Geschichte.

In der Folgezeit beschäftigten sich nicht nur mittelalterliche Philosophen der Kirche, wie Augustinus und Thomas von Aquin, sowie voraufklärerische Rechtswissenschaftler, wie Grotius und Pufendorf, mit der Frage, ob es nie gestattet ist, zu lügen. Nein, auch an den Philosophen der Aufklärung ist dieses Thema nicht unbeachtet vorbeigegangen. So setzten sich beispielsweise Christian Wolff, Alexander Gottlieb Baumgarten und Immanuel Kant damit auseinander. Schwerpunkt dieser Arbeit sollen die Betrachtungen Kants sein, wobei ferner auf diejenigen Philosophen eingegangen werden soll, die ihn direkt beeinflusst haben (siehe dazu Kapitel 1 der vorliegenden Arbeit).

Da das Lügenproblem auch heute noch ein in der Forschung viel diskutiertes Thema ist, kann man zweifellos davon ausgehen, dass es – unabhängig von Zeit und Ort – eine wichtige Rolle für die Menschen spielte und spielt. Auch für Kant ist es ein zentrales Thema, das er wiederholt in seinen Ethikvorlesungen und ethischen Schriften diskutiert (siehe Kapitel 2 und 3). Dennoch sind seine Ansichten darüber noch immer sehr umstritten, wofür sich zwei Hauptursachen festmachen lassen: Erstens scheint Kants Standpunkt zum Lügenproblem schwankend, ja sogar widersprüchlich zu sein; und zweitens verneint er das Recht zur Lüge sehr streng, nach der Interpretation vieler Forscher sogar absolut. In deren Argumentationen finden sich die folgenden vier Gründe:

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