Show Less
Restricted access

Konzeption und Komposition von Gottscheds «Deutscher Schaubühne»

«Eine kleine Sammlung guter Stücke» als praktische Poetik

Series:

Marina Doetsch

Erstmals wird aus einer zeitgenössischen Perspektive und unter Hinzuziehung der Peri- und Paratexte Gottscheds «Deutsche Schaubühne» als Projekt ernstgenommen. Die bisher vorherrschende Forschungsperspektive, es handle sich nur um eine Beispielsammlung zur Illustration der dramenpoetologischen Kapitel der «Critischen Dichtkunst», traut der «Schaubühne» kein Konzept zu. Dagegen beleuchtet die Autorin dieses Bandes, dass Gottsched durch die scheinbar fehlerhafte Veröffentlichungsreihenfolge der sechs Bände und durch spielerischen Umgang mit den Regeln die Dichotomie zwischen Poetik und dramatischer Praxis aufbricht und eine praktische Poetik der dramatischen Gattungen entwickelt. In detaillierten Textanalysen zeigt sie, warum es an der Zeit ist für eine Neubewertung der «Deutschen Schaubühne».

Show Summary Details
Restricted access

4 Metareflexion und Konzeption auf der Beitragsebene – ein Blick auf Band 3 und 1

Extract



In Band 3 und 1 sind insgesamt dreizehn Beiträge enthalten und dabei handelt es sich nicht nur um Tragödien und Komödien, sondern es sind fünf Tragödien, sechs Komödien, ein Schäfer- und ein Nachspiel.1 Die in der Vorrede des zweiten Bandes angekündigte und durch den Abdruck der Akademiereden von Fénelon zu Trauer- und Lustspiel in der Vorrede des ersten Bandes postulierte Dichotomie2 wird schon zu diesem frühen Zeitpunkt innerhalb der Entstehung des Projekts aufgehoben und durchbrochen. Da der dritte Band noch 1741 und damit im ersten Jahrgang des Projekts veröffentlicht wurde, muss davon ausgegangen werden, dass Gottsched von Anfang an die Absicht hatte, alle möglichen dramatischen Gattungen abzubilden.

Was erwartet den Leser in diesen beiden Fortsetzungen des Projekts? Der dritte Band besteht aus Voltaires Alzire3, Destouches’ ← 165 | 166 → Verschwender4, Pitschels Darius5, Holbergs Bramarbas6 sowie Gottscheds Atalanta und Destouches’ Poetischem Dorfjunker7. Der ← 166 | 167 → erste enthält nach Gottscheds Äußerungen die jeweils ersten und besten Beispiele ihrer Gattung8: Corneilles Horazier9, Dufresnys Die ← 167 | 168 → Spielerinn10, Gottscheds Sterbender Cato, Molières Menschenfeind11, Corneilles Cid, Holbergs Der politische Kannengießer12 und Dufresnys Die Widersprecherinn.13

In diesem Kapitel sollen keine ‚regulären‘ Trauer- oder Lustspiele analysiert werden. Stattdessen muss der Frage nachgegangen werden, inwiefern Beiträge des Projekts entweder dieses auf einer Metaebene widerspiegeln oder konzeptionell unterstützen. Daher wurden das Schäferspiel Atalanta sowie die Tragödien Cato und Cid zur Analyse ausgewählt.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.