Show Less
Restricted access

Catull-Rezeption in lateinischen Dichtungen von 1897 bis 2010

Series:

Barbara Dowlasz

Seit Jahrhunderten zählt Catull zu den besonders häufig rezipierten antiken Dichtern. Dieses Buch zeigt, dass lateinische Autoren auch im 20. Jahrhundert auf seine Carmina anspielen. Die Autorin skizziert einen Überblick über die Rezeption Catulls seit der Wiederentdeckung seiner Handschrift bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts und unterscheidet dabei für den Zeitraum 1897–2010 zwei Hauptströmungen: die lateinische Versnovelle, begründet von G. Pascoli, und kürzere Gedichte im «catullischen Stil». Anschließend führt die Autorin – nach Motiven geordnet – entsprechende Texte von A.E. Radke und G. Alesius vor, analysiert und interpretiert sie. Das Buch schließt mit einer umfangreichen Sammlung catullianischer Texte des 20. Jahrhunderts.

Show Summary Details
Restricted access

2. Catullische Tradition seit 1300 bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts

Extract

← 24 | 25 →

2.   Catullische Tradition seit 1300 bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts

2.1   Die Nachwirkung Catulls bis 1850

Das Dichten im sogenannten „catullischen Stil“ hat bereits eine lange Tradition25. Die Geschichte der Rezeption Catulls beginnt bereits in der Antike: Zahlreiche Anklänge an Catull finden sich bei Horaz, Vergil oder Ovid, in der Kaiserzeit: bei Martial, Statius, Aulus Gellius oder Apuleius; der spätlateinische Dichter Prudentius verwendete seine Werke, um sie christlich umzudeuten.26 Im Mittelalter blieb Catull weitgehend unbekannt;27 die Lektüre und die Rezeption seiner Werke beginnt wieder in der Neuzeit, um das Jahr 1300, in dem seine Handschrift, die für viele Jahrhunderte verloren zu sein schien, wiederentdeckt und ihre Inhalt im Laufe der Zeit verbreitet wurde. Während feststeht, dass die Gedichte Catulls in den ersten Jahren nach ihrer Wiederentdeckung nur wenigen Humanisten bekannt waren28 – und daher nicht sofort ihre Nachahmer fanden, ist es umstritten, wer als erster catullischer Dichter gelten soll. Die Präsenz Catulls bei den Frühhumanisten Lovato Lovati (1241–1309) und Mussato (1261–1329), bei denen wenige Wörter und Reminiszenzen aus Catull zu finden sind, ist heute umstritten.29 Im 14. Jahrhundert verwendete Petrarca das Wort nugae mehrmals in seinen Briefen,30 es sind bei ihm auch einige Catull-Zitate zu finden, es kann aber keineswegs gesagt werden, dass er im catullischen Stil dichtete.31 ← 25 | 26 →

Die ersten ernsthaften Versuche, den Stil Catulls zu imitieren, wurden Anfang des 15. Jahrhunderts gemacht. An dieser Stelle...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.