Show Less
Restricted access

Identitätsbildung und Partizipation im 19. und 20. Jahrhundert

Luxemburg im europäischen Kontext

Series:

Edited By Norbert Franz, Thorsten Fuchshuber, Sonja Kmec, Jean-Paul Lehners and Renée Wagener

Gesellschaften mit starker Einwanderung kennzeichnen vielfältige Formen von Identitätsbildung und das Ringen um politische und zivilgesellschaftliche Partizipation. Dies gilt in besonderer Weise für Luxemburg im 19. und 20. Jahrhundert. Hier entstand in einem Kleinstaat eine der jüngeren Nationen Europas und zugleich eine besonders offene, plurikulturelle Einwanderungsgesellschaft. Ziel dieses Bandes ist es, die Entstehung dieser Mehr-Kulturen-Gesellschaft im europäischen Zusammenhang zu verstehen. Die einzelnen Beiträge analysieren mit Hilfe unterschiedlicher sozial- und kulturwissenschaftlicher Annäherungen exemplarische Konfliktlinien der Identitätsbildung und des Kampfes um Partizipation.

Show Summary Details
Restricted access

Die Arbeiter aller Nationalitäten wünschen die italienischen Arbeiter ins Pfefferland. Zwischen Internationalismus und Xenophobie: Italienische Arbeitsmigranten in Düdelingen und die Anfänge der luxemburgischen Gewerkschaftsbewegung (ca. 1890–1930) (Fabian Trinkaus)

Extract

← 130 | 131 →

Fabian Trinkaus

Die Arbeiter aller Nationalitäten wünschen die italienischen Arbeiter ins Pfefferland. Zwischen Internationalismus und Xenophobie: Italienische Arbeitsmigranten in Düdelingen und die Anfänge der luxemburgischen Gewerkschaftsbewegung (ca. 1890–1930)

„Die andern Nationalitäten sind in der Minderheit und halten sich fern von den Italienern, welche ihnen wegen der Arbeitsconcurrenz ein Dorn im Auge sind. Die Arbeiter aller Nationalitäten wünschen die italienischen Arbeiter ins Pfefferland, und ist nicht ausgeschlossen, ja es steht zu erwarten, daß sie bei der ersten Gelegenheit dieselben zu vertreiben suchen. […] Es heißt dahier, sich beständig bereit zu halten, denn ich fürchte, falls eine Schlägerei zwischen den hiesigen Italienern und den anderen Nationalitäten vorkommt, es eine schwere und blutige werden wird.“1 So schilderte ein Bericht der Gendarmerie Düdelingen im Mai 1897, wenige Jahre nach dem Einsetzen der italienischen Zuwanderung ins südluxemburgische Minettebassin, das Verhältnis zwischen Italienern und autochthoner Bevölkerung sowie anderen Nationalitäten. Der Report zeichnet insgesamt ein verheerendes Bild mit Blick auf die Atmosphäre in der lokalen Arbeiterbevölkerung. Die Italiener erscheinen als eine verachtete Minderheit, obwohl sie, so ist ebenfalls in dem Bericht zu lesen, „sich im Allgemeinen ziemlich gut aufführen“. Die Gründe für diese Exklusionstendenzen sieht der Gendarm zurecht in den Befürchtungen der einheimischen wie auch der deutschen Arbeiter, dass die zumeist unqualifizierten italienischen Arbeiter ihnen die Arbeitsplätze streitig machen oder zumindest den Arbeitgebern dazu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.