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Chatbots

Eine linguistische Analyse

Series:

Netaya Lotze

Die korpuslinguistische sowie konversationsanalytische Studie thematisiert die Mensch–Maschine-Interaktion mit Chatbots. Diese Dialogsysteme sind auch heute noch störungsanfällig und eine Kommunikation ist nur unter äußerst limitierten Bedingungen möglich. Welche Implikationen dies für das Interaktionsverhalten der UserInnen hat, untersucht die Autorin vor dem Hintergrund der Diskussion um künstliche Intelligenz. Chatbots sind im Web bereits weit verbreitet und ihr Dialog-Design dient als Vorbild für moderne Assistenzsysteme. Da in Zukunft künstliche Intelligenzen eine immer größere Rolle spielen werden, legt diese Auseinandersetzung im Hinblick auf interaktives Alignment und Computer-Talk einen Grundstein zur linguistischen Erforschung von Dialogsystemen.

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Vorwort

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Vorwort

Einer der Gründe, sich mit künstlichen Kommunikationspartnern zu beschäftigen, ist, dass diese Kommunikationssituation noch so ungewohnt ist, dass SprecherInnen nicht auf Routinen zurückgreifen können und stattdessen ad hoc Lösungen finden müssen, um diese ungewöhnliche Kommunikationssituation zu bewältigen. Die Spuren dieser Prozesse können dann in der Interaktion beobachtet werden. Interaktionen, in denen alles glatt läuft, sind in diesem Sinne viel weniger interessant als solche, in denen SprecherInnen gezwungen sind, neue Lösungen für die angenommenen Kommunikationsprobleme zu entwickeln. Die vorliegende Arbeit steht in dieser Tradition und stellt einen Meilenstein dar auf dem Weg, sprachliches Verhalten in neuen Kommunikationsumgebungen zu verstehen. Netaya Lotze analysiert Interaktionen mit vier verschiedenen deutschsprachigen Chatbots und liefert somit eine der ersten umfassenden Analysen von sprachlichen Mensch-Maschine-Interaktionen, in denen diese Aushandlungs- und Anpassungsprozesse deutlich werden. So trägt beispielsweise ihre Studie zum Alignment dazu bei, die Umstände, unter denen sich SprecherInnen an ihre Kommunikationspartner angleichen, besser zu verstehen. Insbesondere zeigen ihre Ergebnisse, dass lokales Alignment unter anderem durch globale Kohärenzbeziehungen bedingt ist. Ihre Analyse führt so zu einem besseren Verständnis kommunikativer Kooperationsprozesse im Allgemeinen.

Ein weiterer Grund für die Analyse von Interaktionen mit künstlichen Agenten ist, dass sie uns zeigen kann, was tatsächlich menschliche Kommunikation ausmacht. Brian Christian argumentiert beispielsweise in seinem Buch The Most Human Human dafür, dass Menschlichkeit sich vor allem durch ein konsistentes Selbst ausdrückt. Netaya Lotzes Arbeit geht hier weit darüber hinaus und zeigt, wie die Anpassung an einen bestimmten Kommunikationspartner den Dialog auf jeder Ebene (lokale und globale Kohärenz und Kohäsion, Alignment, sequentielle Struktur) durchsetzen, und dass zwischenmenschlicher Dialog sich durch engste Beziehungen zwischen Turns auf der sprachlichen Ebene auszeichnet. Dazu stellt Netaya Lotze in bemerkenswert lesbarer Weise künstliche Agenten und ihre Funktionsweise vor. Die vorliegende Arbeit ist außerdem großartig in der Art und Weise, wie interdisziplinäre Konzepte zusammengebracht und gut verständlich dargestellt werden. Ihre korpuslinguistische Untersuchung ist die aufwändigste und umfassendste sprachliche Analyse von Mensch-Computer-Interaktionen, die ich kenne, und extrem lohnend. Mir ist keine andere Studie ← 15 | 16 → bekannt, die solch einen Aufwand betrieben und so umfassende Ergebnisse zur Mensch-Maschine-Kommunikation vorlegen könnte wie die vorliegende Arbeit.

Der Leser und die Leserin der vorliegenden Arbeit haben somit eine exzellente Wahl getroffen: Der folgende Text ist klar und erstaunlich gut lesbar, liefert detaillierte Theoriediskussionen und tiefgehende empirische Analysen und leistet insgesamt einen wichtigen Beitrag für unser Verständnis von Mensch-Maschine-Interaktion, aber auch von dem, was menschliche Kommunikation ausmacht. Das Buch eignet sich aufgrund seiner Klarheit sowohl für LeserInnen, die noch neu in diesem Gebiet sind, als auch für WissenschaftlerInnen, die seit Jahren in diesem Feld arbeiten – für mich zumindest war dieses Buch zu lesen eine Bereicherung.

Prof. Dr. Kerstin Fischer (Hamburg, Juli 2016)