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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Edited By Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Stuttgarter Hoftheater und Hamburger Stadttheater: Institutionen der deutschsprachigen Theaterlandschaft zwischen regionaler Prägung und Kulturtransfer

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Wie in der jüngsten Forschung zum Kulturaustausch1 beschrieben, führten durch Netzwerke getragene Kulturtransferprozesse in der Bühnenlandschaft des neunzehnten Jahrhunderts dazu, dass sich die europäischen Theater im Hinblick auf ihr Repertoire immer stärker annäherten:2 Dabei orientierten sie sich an wenigen großen Vorbildern wie den Bühnen in Paris, London, Wien oder den italienischen Opernzentren. Hof- und Stadttheater hatten eine große Personalfluktuation, so dass dieselben Künstler hier wie dort als Gäste auftraten oder angestellt sein konnten und zum Träger von Kulturtransfer wurden. Zudem sind Mitte des Jahrhunderts die Höfe längst nicht mehr die einzigen und prägenden Zentren des kulturellen Lebens: Sukzessiv entwickelte sich das städtische Bürgertum auch im kulturellen Leben zu einer tragenden Gesellschaftsschicht, und zahlreiche Hoftheater öffneten sich für ein zahlendes bürgerliches Publikum. So bestanden schließlich hinsichtlich der Publikumsstruktur große Ähnlichkeiten zwischen Hof- und Stadttheater.

Gleichzeitig weist aber die Theaterlandschaft im damaligen deutschsprachigen Kulturraum wiederum eine europäische Besonderheit auf, die in hohem Maße←37 | 38→ der politischen Situation der zersplitterten deutschen Lande bis 1871 geschuldet ist: Die Kleinstaaterei brachte eine stark regional geprägte, dabei aber auch außerordentlich vielfältige Theaterlandschaft mit sich. Um 1800 werden rund 80 feststehende Theater gezählt; Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wird die Zahl der stehenden Theater in den deutschen Staaten auf 120 bis 140 geschätzt, davon sind etwa 15 als fest etablierte Hoftheater klassifiziert.3 Kurz vor...

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