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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Edited By Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Zwischen Hof und Stadt. Die Etablierung bürgerlicher Sekundär-Theater in Berlin und München

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Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung bescheinigte der Theaterkritiker und Journalist Moritz Saphir 1827 dem Königstädtischen Theater in Berlin ein Totalversagen hinsichtlich Konzeption und Verwaltung:

Das Königstädter Theater, das nach seinem Grundplan, nach der Idee in der es entstand, zu einer Zierde zu einem Hochgenuß der Residenz hätte werden können, hat sich seines Standpunktes überhoben, und findet bereits in der Rivalität mit den Königlichen Hofbühnen seinen allmähligen Verfall.1

Die Konkurrenzsituation zwischen dem auf Aktien basierenden Königstädtischen Theater und den Königlichen Bühnen sei seiner Meinung nach untragbar und längst zu Ungunsten der Königstadt entschieden. Dem ‚Grundplan’ nach sollte diese Institution ein Theater für die Bürger sein, mit einem Spielplan, der die Königlichen Hofbühnen ergänzte. Ausschließlich leichtes Drama, Singspiel und leichte Oper sollten gespielt werden, daneben auch Stücke, die vom Königlichen Theater abgelehnt worden waren. Die Ambition der bürgerlichen Leitung tendierte allerdings zu Höherem und so kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Hofbühnen um den Spielplan. Finanzierung, Publikum und die Frage nach einer Identifizierung der Berliner mit dem jeweiligen Theater boten reichlich Konfliktstoff. In diesem Sinne ist Moritz Saphirs Diktum nicht unbedingt zuzustimmen, vielmehr soll seine Kritik Anlass bieten, den Hintergründen für die Schwierigkeiten des zweiten Berliner Theaters aber auch seinem Potential für eine bürgerliche Konzeption von Theater nachzugehen. Ich möchte...

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