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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Ingenieure der Theaterkunst. Die Professionalisierung der Theaterregie im 19. Jahrhundert am Beispiel des Düsseldorfer Stadttheaters unter Karl Immermann (1834–1837)

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1. Karl Immermann geht in Hamburg ins Theater

„Das schlechteste Gericht an diesem Tage war das Theater.“1 Diesen Stoßseufzer richtet Karl Immermann (1796–1840) am 15. Oktober 1838 in einem Brief an seinen Bruder, nachdem er am 8. Oktober im Hamburger Stadttheater das Lustspiel Donna Diana mit Auguste Crelinger in der Titelrolle gesehen hatte. Bissig kommentiert er die „völlige […] Küchenhaftigkeit“2 der Schauspielerin, die als Gastspiel-Sensation aus Berlin mit ihren beiden Töchtern auf der Bühne des Stadttheaters stand: „Es war die lahmste und erbärmlichste Darstellung, die ich je gesehen, die zweite Probe ging bei mir in Düsseldorf besser.“3 Nachdem er die Crelinger zwei Tage später auch noch in ihrer letzten Hamburger Gastrolle als Lady Milford in Kabale und Liebe ertragen hatte, fasst der Reisende aus dem Rheinland seine Hamburger Theatereindrücke deprimiert zusammen: „Mit dem Theater ist mirs [sic!] übel ergangen.“4 Eigentlich – so Immermann – hatte man ihm „eine Darstellung der alten Glanzperiode“ des Theaters versprochen, doch „Krankheitsfälle hatten es unmöglich gemacht.“5 Zu sehen bekommen habe er deshalb nur „eine Ruine der guten alten Zeit […]“.6 Auch die bei einem Mittagessen mit Theaterdirektor Friedrich Ludwig Schmidt erörterten Aufführungspläne von seinen eigenen Texten am Hamburger Stadttheater konnten Immermann nicht trösten, da er „nach den gehabten Anschauungen auf Darstellungen in←107 | 108→ Hamburg“7 durchaus keinen Wert mehr legte. Dennoch – so belegt es das Theaterzettelarchiv – kam es zwei Monate später...

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