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Bühne und Bürgertum

Das Hamburger Stadttheater (1770–1850)

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Edited By Bernhard Jahn and Claudia Maurer Zenck

Der vorliegende Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinär ausgerichteten Tagung, die im März 2015 in Hamburg stattfand und das Hamburger Stadttheater (1770–1850) zum Thema hatte. Im Mittelpunkt der ersten Sektion steht die Frage nach dem spezifischen Profil des Hamburger Stadttheaters, die durch Vergleiche mit anderen Stadt- und Hoftheatern der Zeit perspektiviert wird. Aspekte der Spielplangestaltung, der Repertoirebildung und der dabei verwendeten Gattungen des Sprech- und Musiktheaters bilden das Thema der zweiten Sektion. Die Beiträge des dritten Teils widmen sich den Akteuren des Hamburger Theaters sowie den Austauschprozessen zwischen Bühne, Theaterpublikum und Presse. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Kanonbildung am Beispiel von Shakespeare-, Lessing- und Beaumarchais-Aufführungen.

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Bürgerliches Theater? Zu Friedrich Ludwig Schröders Bühnenbearbeitung von Beaumarchais’ Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit

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Beaumarchais’ Komödie Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit zählt zu den „größte[n] Theatererfolg[en]“1 des 18. Jahrhunderts – bereits zwei Jahre nach der Uraufführung wurde sie in Frankreich über hundert Mal aufgeführt. Da das französische Theater in Deutschland intensiv rezipiert worden ist, ist es nicht verwunderlich, dass das Lustspiel auch von deutschen Theatermachern auf die Bühne gebracht wurde, nicht zuletzt in der Hoffnung, an den Publikumserfolg in Frankreich anknüpfen zu können. Das gelang: Nur dreieinhalb Monate nach der Uraufführung wurde die Komödie laut Heinrich August Ottokar Reichards Theater-Kalender siebenundfünfzig Mal von deutschen Theatern gespielt. 1785 war das Lustspiel auch in Hamburg und Altona zu sehen – achtzehnmal am Theater am Gänsemarkt unter Johann Christian Brandes und zeitgleich an dem von Friedrich Ludwig Schröder geleiteten Altonaer Komödienhaus. Auch 1787, nach Schröders Wechsel ans Hamburger Theater, stand Beaumarchais’ Komödie auf dem Spielplan – beide Inszenierungen machten laut Brandes und dem Schröder-Biographen Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer „Sensation“ und wurden „mit großem und gerechten Beifall“2 bedacht.

Aus rezeptionsgeschichtlicher Perspektive ist zum einen interessant, dass die Komödie, zumindest in Frankreich, ganz heterogene Bevölkerungsschichten ins Theater gelockt hat – das niedere Volk genauso wie die höfische Aristokratie. Zum anderen ist bemerkenswert, dass der Theatertext extrem divergent beurteilt worden ist. Während die Theaterperiodika des 18. Jahrhunderts vor allem den Unterhaltungswert der Komödie betonen, ist sie als „Revolutionsbombe“3 in die...

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