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Beiträge zum Islamischen Recht XI

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Irene Schneider and Thoralf Hanstein

Der Band enthält die auf der Jahrestagung der «Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht» (GAIR) im Oktober 2015 an der Universität Göttingen gehaltenen Vorträge. Thema der Tagung war «Genderforschung und Genderfragen im islamischen Recht». Die Vorträge werden ergänzt um zwei weitere, themenrelevante Fachbeiträge. Die Autoren gehen in den Beiträgen zum einen der Frage nach, welche Rolle und Bedeutung die Geschlechterforschung im Recht hat. Zum anderen wird anhand empirischer Beispiele die Geschlechterstellung im deutschen Recht und im islamischen Recht – in Deutschland und in der muslimischen Welt – definiert und diskutiert.

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Recht und Geschlechterordnung:Gesellschaftliche Debatten um die ḫulʿ‑Scheidung in Palästina 2012–2014

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Irene Schneider, Göttingen

Recht und Geschlechterordnung: Gesellschaftliche Debatten um die ḫulʿ-Scheidung in Palästina 2012–2014

I. Einleitung

Am 20. August 2012 erließ der Dīwān Qāḍī al-Quḍāt der West-Bank (Palästina) unter Vorsitz des Oberrichters, des Qāḍī al-Quḍāt, Yūsuf Idʿīs, eine Regelung (arab. taʿmīm 59/2012) zur sogenannten Loskaufscheidung, der ḫulʿ-Scheidung.1 Dieser Regelung zufolge konnten nun Frauen gerichtlich die Scheidung gegen Bezahlung einer Summe, die im Allgemeinen die Brautgabe (arab. mahr) umfasst, auch gegen den Willen des Ehemannes erwirken. Sie revidierte bzw. ergänzte damit faktisch das auf der West-Bank geltende Jordanische Personenstandsrecht (JPSR) aus dem Jahr 1976,2 welches in Art. 102 festhält, dass ḫulʿ nur bei gegenseitigem Einverständnis der Ehegatten gerichtlich erwirkt werden kann. Anders als im ägyptischen Gesetz von 20003 wurde dieses Recht auf der West-Bank Frauen nur vor dem Vollzug der Ehe (arab. qabla ad-duḫūl) zugestanden.←45 | 46→

Die Neuregelung wurde im Vorfeld, aber auch nach dem Erlass im großen Stil in den Medien und einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Da diese Diskussionen im Vorfeld erheblich zur Einführung der Neuregelung beitrugen, können sie mit Benhabib als Iterationen mit jurisgenerativen Folgen bezeichnet werden.4 Gemeint sind damit sich in der Öffentlichkeit abspielende Diskursprozesse, die zumindest teilweise in jurisgenerative Maßnahmen, neue Gesetze und Regelungen, münden. In Iterationen vollzieht sich, nach Benhabibs Definition, eine Neu- bzw. Umdeutung, eine Transformierung bestehender Rechtsverhältnisse, -normen und -konzepte,...

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