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Provincial Turn

Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert

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Ulrike Tischler-Hofer and Karl Kaser

Das Buch analysiert aus historischer Perspektive das Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa. Die internationalen Beiträge erweitern die Ideen des Vorgängerbandes «Provinz als Denk- und Lebensform» um die historische Erforschung von «Provinz». Die BeiträgerInnen decken einen zeitlichen Bogen vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert und einen räumlichen Horizont vom Südwesten der Habsburgermonarchie bis in die europäischen Randzonen des Osmanischen Reiches ab. Durch den spezifischen Blickwinkel «von unten» werden die komplexen Beziehungen zwischen «Provinz» und Staat oder Zentrum in neues Licht gerückt.

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Staat, Hauptstadt und Provinz: Hierarchien im neuzeitlichen Bulgarien (Roumiana Preshlenova)

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Roumiana Preshlenova

Staat, Hauptstadt und Provinz: Hierarchien im neuzeitlichen Bulgarien

Der Begriff „Provinz“ wird seit seiner Einführung im Römischen Reich traditionell vor allem administrativ, nämlich im Kontext von Zentrum und Peripherie, und als Wertekategorie im Gegensatz zwischen Moderne und Tradition, (Haupt-)Stadt und Land gebraucht. In einer weiteren Bedeutung ist „Provinz“ gelegentlich positiv oder negativ konnotiert, dennoch ist ihr eine Gegenkraft oder das Gegenbild implizit. Jüngst hat Harald Heppner in Anlehnung an die Neuorientierung in den Kulturwissenschaften den Begriff „Provincial Turn“ vorgeschlagen, um alternativen Sichtweisen Rechnung zu tragen, die Provinz als Motiv der Selbstwahrnehmung deutlich machen.

Im vorliegenden Zusammenhang – Bulgarien in den Jahren 1878/79 – wird Provinz ebenfalls als Element der Identitätsbildung thematisiert, die sich sowohl in der Antithese zwischen Selbständigkeit und Abhängigkeit im Kontext politischer Verfassung als auch im Kontext des Nationalismus widerspiegelt. Die Kategorie Hauptstadt spielte dabei eine spezifische Rolle – im konkreten Fall als politische Entscheidung, nicht aber aufgrund der Tradition, sondern vielmehr ob des Machtgefälles. Da die Verselbständigung Bulgariens nach fünf Jahrhunderten osmanischer Herrschaft den bedeutendsten Umbruch in der modernen Geschichte des Landes darstellt, ist es angebracht, speziell die sich über drei Monate hinziehenden Debatten der Abgeordneten in der Konstituierenden Volksversammlung als Prüfstein für die Einstellung der neuen bulgarischen Eliten zu wichtigen Fragen wie Staatlichkeit, Nationalstaat, Demokratie, Tradition und Moderne zu untersuchen. Die Fragen, ob und inwieweit die nationalhistorischen Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster als Argumente für Äußerungen und Entscheidungen...

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