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Provincial Turn

Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert

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Edited By Ulrike Tischler-Hofer and Karl Kaser

Das Buch analysiert aus historischer Perspektive das Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa. Die internationalen Beiträge erweitern die Ideen des Vorgängerbandes «Provinz als Denk- und Lebensform» um die historische Erforschung von «Provinz». Die BeiträgerInnen decken einen zeitlichen Bogen vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert und einen räumlichen Horizont vom Südwesten der Habsburgermonarchie bis in die europäischen Randzonen des Osmanischen Reiches ab. Durch den spezifischen Blickwinkel «von unten» werden die komplexen Beziehungen zwischen «Provinz» und Staat oder Zentrum in neues Licht gerückt.

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Provinzialisierung der Provinz am Beispiel der bulgarischen sozialistischen Reproduktionspolitik (Anelia Kassabova)

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Anelia Kassabova

Provinzialisierung der Provinz am Beispiel der bulgarischen sozialistischen Reproduktionspolitik

„Das bescheidene Heim ,Mutter und Kind’, in der öden Provinz gelegen, verwandelt sich dank des Regisseurs in eine Mikrowelt, beseelt von Erinnerungen, von Schmerz und Träumen, von ausgesprochenen und unausgesprochenen Fragen. Eine unsichtbare Linie trennt die Bewohnerinnen des Heimes von den ,anständigen’ Einwohnern der Kleinstadt. Jedem Versuch, diese Linie zu überschreiten, droht die Verletzung der Menschenwürde.“1

Diese Passage aus einer Zeitungsrezension stellt eine der vielen Reaktionen auf den Film „Sei gesegnet“ mit Aleksander Obreshkov als Regisseur und Kiril Topalov als Drehbuchautor nach seiner Premiere im Jahr 1978 dar. Der Film wurde besonders wegen seiner Aktualität und „mutigen gesellschaftspolitischen Position“2 hochgepriesen: Zum ersten Mal wurde mit den Möglichkeiten der siebten Kunst das Thema der alleinstehenden Mütter aufgeworfen und ein staatliches Heim für Kleinkinder visuell repräsentiert.

Der Film war ein großer Erfolg: Öffentlich breit beworben und diskutiert, wurde er einen Monat nach der Premiere am 6. Februar 1978 vom Bulgarischen Komitee für Kultur wegen seiner ideologisch-künstlerischen Qualitäten finanziell prämiert.3 Im darauffolgenden Jahr wurde er mit dem Ersten Preis auf dem Internationalen Neorealistischen Filmfestival „Laceno d’Oro“ in Avellino ausgezeichnet, im selben Jahr auf dem Weltfestival des Roten Kreuzes in Varna für den Spezialpreis „Humanistisches Drehbuch“ nominiert und anschließend als „Film auf Weltniveau“ wiederholt vom Bulgarischen Komitee für Kultur prämiert.4 Ein←209 | 210→ Jahr nach der...

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